Zoff um Schließung des Naturcampingplatzes Lüneburger Heide: Camper kämpfen gegen Industriepläne
Winfried JunkZoff um Schließung des Naturcampingplatzes Lüneburger Heide: Camper kämpfen gegen Industriepläne
Heizte Debatte im Bauausschuss von Soltau über geplante Schließung des Naturcampingplatzes Lüneburger Heide
Eine hitzige Diskussion entbrannte während der Sitzung des Bauausschusses in Soltau über die langfristigen Pläne zur Schließung des Naturcampingplatzes Lüneburger Heide. Der Campingplatz, der unter der aktuellen Leitung deutlich gewachsen ist, liegt auf einem Gelände, das für die industrielle Expansion vorgesehen ist. Anwohner und Camper füllten den Alten Ratssaal bis auf den letzten Platz, sodass die Veranstalter zusätzliche Sitzgelegenheiten bereitstellen mussten.
Im Mittelpunkt des Streits steht ein vorgeschlagenes Bau- und Entwicklungsmoratorium für das Gebiet, das Teil eines größeren Vorhabens ist: die Schaffung einer neuen Industriezone in der Nähe der Autobahn A7.
Seit Torben Kostiuk 2019 die Leitung des Naturcampingplatzes Lüneburger Heide übernommen hat, hat sich das Gelände rasant erweitert. Durch Grundstückskäufe wuchs die Fläche von etwa 15 Hektar im Jahr 2019 auf über 25 Hektar bis 2025. Die Zahl der festen Platzinhaber stieg von rund 120 auf 220, während die jährliche Auslastung von 70 Prozent auf durchgehend über 95 Prozent kletterte. Neue Optionen für Dauerstellplätze und verbesserte Infrastruktur trieben dieses Wachstum maßgeblich voran.
Der Campingplatz liegt nun innerhalb eines 100 Hektar großen Gebiets, das für Soltau Ost IV vorgesehen ist – eine zukünftige Industrie- und Gewerbezone östlich der A7. Bürgermeister Karsten Brockmann verwies auf konkrete Anfragen nach Gewerbeflächen und betonte die Notwendigkeit von Reserven. Die SPD unterstützte diese Position mit dem Argument: "Wir brauchen Flächen in Reserve." Die CDU hingegen wies darauf hin, dass ein Entwicklungsstopp höchstens um ein weiteres Jahr verlängert werden könne, nicht jedoch auf unbestimmte Zeit.
Die Camper auf dem Gelände reagierten empört auf die langfristigen Schließungspläne der Stadt. Viele schätzen ihren Lebensstil und lehnen den Verlust des Campingplatzes ab. Geschäftsführer Kostiuk bestritt, dass der Betrieb gegen geltendes Recht verstoße, und betonte, dass das Moratorium vorerst keine unmittelbaren Änderungen mit sich bringe.
Unterdessen bleibt Soltau ein wichtiger Logistikstandort. Der Schuhhändler Deichmann prüft weiterhin die Möglichkeit eines Verteilzentrums in Soltau Ost III, angezogen von der guten Infrastruktur und der Autobahnanbindung.
Die Sitzung offenbarten tiefe Gräben in der Frage der Zukunft des Campingplatzes. Während die Stadt auf industrielle Entwicklung drängt, wehren sich Camper und Betreiber gegen die Schließungspläne. Das Entwicklungsmoratorium bleibt vorerst bestehen, doch eine Verlängerung stößt an rechtliche Grenzen.
Die mögliche Investition von Deichmann in Soltau Ost III erhöht den Druck, Flächen für gewerbliche Nutzungen zu sichern. Die Debatte wird voraussichtlich weitergehen, während die Stadt versucht, wirtschaftliches Wachstum mit den Bedürfnissen der bestehenden Gemeinschaft in Einklang zu bringen.
