Wolfram Weimers verschollener Gedichtband ‚Kopfpilz‘ taucht nach 40 Jahren wieder auf
Heinz-Peter SödingWolfram Weimers verschollener Gedichtband ‚Kopfpilz‘ taucht nach 40 Jahren wieder auf
Ein längst verschollener Gedichtband des aktuellen Staatsministers für Kultur, Wolfram Weimer, ist nach fast vier Jahrzehnten wiederaufgetaucht. Das Buch 'Kopfpilz' wurde 1986 im Eigenverlag veröffentlicht und war seitdem aus der Öffentlichkeit verschwunden – bis zwei Podcast-Hosts in München zufällig auf ein Exemplar stießen.
Weimer, damals erst 22 Jahre alt, hatte 'Kopfpilz' auf eigene Kosten gedruckt. Das Cover zeigt drei schreiende Köpfe im Stil von Edvard Munchs 'Der Schrei'. Die Gedichte im Inneren verbinden derbe Sprache mit Themen wie Sex und Radfahren und erinnern eher an Rammstein-Frontmann Till Lindemann als an romantische Dichter.
Jahre lang bestand Weimer darauf, dass das Werk niemals wieder veröffentlicht werden dürfe. Gegenüber dem Autor Knut Cordsen soll er gesagt haben, die Gedichte seien 'auf keinen Fall freigegeben'. Cordsen lenkte im Mai erstmals die Aufmerksamkeit auf den Band und beschrieb seinen Stil als roh und unvereinbar mit Weimers späterem literarischem Schaffen. Die Wiederentdeckung geschah durch Zufall: Dax Werner und Moritz Hürtgen, die Hosts des Podcasts 'Bohniger Wachmacher', fanden in München ein Exemplar. Das Wiederauftauchen des Buches hat das Interesse an Weimers früher, ungeschliffener Schaffensphase neu entfacht – einer Phase, von der er sich längst distanzieren wollte.
Die Gedichte in 'Kopfpilz' heben sich deutlich von Weimers heutiger, verfeinerter literarischer Stimme ab. Ihr derber Ton und experimenteller Stil spiegeln eine andere Ära seines Schreibens wider. Nun, da das Buch wieder im Umlauf ist, könnten seine Inhalte weitere Diskussionen über die künstlerische Vergangenheit des Ministers anregen.
