Wie Donald Trump Komikern die Pointen stiehlt – und warum selbst Satire ihn nicht einholt
Heinz-Peter SödingGuido Cantz: Trump lässt Satiriker alt aussehen - Wie Donald Trump Komikern die Pointen stiehlt – und warum selbst Satire ihn nicht einholt
Witze über Donald Trump verlieren oft schon nach wenigen Tagen ihre Komik. Der Komiker Guido Cantz karikierte einst den Gedanken, Trump könnte sich den Friedensnobelpreis mit Nachdruck sichern. Doch als der ehemalige Präsident tatsächlich einen Brief an Norwegens Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre schrieb und die Auszeichnung einforderte, wurde die Pointe zur Realität.
Cantz hatte eine Nummer um Trumps Behauptung aufgebaut, er verdiene den Nobelpreis für die Beendigung von acht Kriegen. Der Witz lebte von der Absurdität der Idee – bis Trump selbst einen Brief an Støre schickte und wissen wollte, warum er den Preis nie erhalten habe.
Das Norwegische Nobelkomitee zog Trump 2021 niemals in Betracht. Stattdessen ging die Auszeichnung an den russischen Journalisten Dmitri Muratow. Jahre später tauchten Berichte auf, wonach die venezolanische Aktivistin María Corina Machado den Preis 2025 erhalten und ihr Medaillon symbolisch an Trump weitergeben solle – doch das stand in keinem Zusammenhang mit der früheren Entscheidung. Für Cantz geht das Problem jedoch über einen einzigen Witz hinaus: Trumps ständige Aussagen und Handlungen zwingen Komiker dazu, ihr Material fast täglich umzuschreiben. Was als Satire beginnt, ist schnell überholt – oder wird schlimmer noch von Trumps eigenem Verhalten in den Schatten gestellt.
Der Friedensnobelpreis bleibt für Trump unerreichbar, trotz seiner wiederholten Ansprüche. Cantzs Nummer, einst ein harmloser Seitenhieb, wirkt heute wie eine Prophezeiung. Die Herausforderung für Komiker bleibt: mit einer Person Schritt zu halten, deren reale Eskapaden schneller sind als jeder Pointenabschluss.
