Wie der Begriff Völkermord entstand und die Justiz revolutionierte
Serpil KranzWie der Begriff Völkermord entstand und die Justiz revolutionierte
Öffentlicher Vortrag: Die Entstehung des Begriffs Völkermord und seine juristische Bedeutung
Am Dienstag, dem 4. November, findet um 19 Uhr ein kostenloser öffentlicher Vortrag über die Ursprünge des Begriffs Völkermord und seine rechtlichen Auswirkungen statt. Der Historiker Friedrich Huneke aus Hannover wird die Veranstaltung im Museumsquartier Osnabrück leiten. Unter dem Titel „Ein Verbrechen ohne Namen“ untersucht der Vortrag, wie der Zweite Weltkrieg das juristische Denken prägte und zur Entstehung neuer internationaler Gesetze führte.
Im Mittelpunkt steht das Wirken von Raphael Lemkin, einem polnisch-jüdischen Juristen, der den Begriff Völkermord 1944 prägte. In seinem Buch „Axis Rule in Occupied Europe“ verband er die griechischen und lateinischen Wurzeln genos (Rasse, Stamm) und caedere (töten), um systematische Massenmorde zu beschreiben. Lemkins Forschung wurde durch den Völkermord an den Armeniern und den Holocaust angestoßen.
Huneke wird Lemkins Rolle bei den Nürnberger Prozessen nachzeichnen sowie dessen Kampagne, den Völkermord als internationales Verbrechen anzuerkennen. Dieser Einsatz gipfelte in der UN-Völkermordkonvention, die 1948 verabschiedet und ab 1951 in Kraft trat. Die Konvention definierte Völkermord und verpflichtete Staaten, ihn zu verhindern und zu bestrafen. Zudem wird der Vortrag untersuchen, wie der Holocaust moderne rechtliche Kategorien geprägt hat. Durch die Verknüpfung von Lemkins Biografie mit der Entwicklung des Völkerrechts soll die anhaltende Bedeutung dieser rechtlichen Veränderungen hervorgehoben werden.
Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, die Entstehung des Begriffs Völkermord und seine Rolle als Grundpfeiler der internationalen Justiz zu verstehen. Die Teilnehmer erhalten ein klareres Bild von Lemkins Vermächtnis und der fortwährenden Relevanz der UN-Konvention. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
