Streit um Gasförderung in der Nordsee: Bundesrat entscheidet über umstrittenes Abkommen
Winfried JunkEin Gasabbauabkommen in der Nordsee - Was steckt drin? - Streit um Gasförderung in der Nordsee: Bundesrat entscheidet über umstrittenes Abkommen
**Ein Abkommen zur Gasförderung auf See – was steckt dahinter?
**Ein Abkommen zur Gasförderung auf See – was steckt dahinter?
**Ein Abkommen zur Gasförderung auf See – was steckt dahinter?
- Dezember 2025
Eine wegweisende Entscheidung über die Erdgasförderung in der Nordsee nahe Borkum steht bevor. Deutschland und die Niederlande haben ein Unitization-Abkommen unterzeichnet, das die grenzüberschreitende Erdgasförderung regeln soll. Doch das Abkommen bedarf noch der finalen Zustimmung. Der Bundesrat wird an diesem Freitag über das notwendige Umsetzungsgesetz beraten – während Umweltschützer und einige Politiker den Plan vehement ablehnen.
Das betreffende Gasfeld liegt im Wattenmeer an der Seegrenze zwischen Deutschland und den Niederlanden. Beide Länder haben eine Vereinbarung getroffen, um einen rechtlichen Rahmen für die gemeinsame Förderung zu schaffen, die Reserven aufzuteilen und die Zusammenarbeit zu ermöglichen. Das niederländische Energieunternehmen One-Dyas fördert bereits Gas aus dem grenzüberschreitenden Feld und könnte seine Aktivitäten auf den deutschen Sektor ausweiten, sofern das Abkommen ratifiziert wird.
Die deutsche Bundesregierung und One-Dyas argumentieren, dass die Vereinbarung die inländische Gasversorgung sichern werde. Der Energieversorger EWE habe bereits Verträge zur Belieferung deutscher Verbraucher abgeschlossen. Doch Umweltverbände – darunter Greenpeace Deutschland, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die NaturFreunde Deutschlands – üben scharfe Kritik. Sie warnen, das Vorhaben zementiere die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, gefährde marine Ökosysteme und untergrabe die Klimaziele, darunter das Ziel Niedersachsens, bis 2040 klimaneutral zu werden.
Rechtliche Hürden tun sich ebenfalls auf: Umweltorganisationen haben bereits Klagen gegen die Genehmigung der Gasförderung bei Borkum eingereicht; eine Gerichtsentscheidung steht noch aus. Ein von Greenpeace in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kommt zudem zu dem Schluss, dass das Abkommen gegen internationales Recht und das deutsche Grundgesetz verstoße – insbesondere im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen stehe.
In Deutschland selbst sind die Meinungen gespalten. Während die Bundesregierung das Abkommen unterstützt und darin eine Chance sieht, heimische Gasreserven zu erschließen, ist die Landesregierung uneins. Auch in den Ausschüssen des Bundesrates gibt es unterschiedliche Positionen zur Gesetzesvorlage. Bei einer Zustimmung würde der Weg für weitere Bohrungen im deutsch-niederländischen Seegebiet frei – One-Dyas hat bereits weitere Gasvorkommen in der Nähe ausgemacht.
Die Debatte im Bundesrat am Freitag wird zeigen, ob das Abkommen vorankommt. Bei einer Annahme könnte One-Dyas seine Förderung auf den deutschen Sektor ausweiten und über EWE Gas an Verbraucher liefern. Doch anhaltende juristische Auseinandersetzungen und der Widerstand von Umweltschützern könnten das Projekt weiter verzögern – oder sogar ganz stoppen. Seine Zukunft bleibt ungewiss.
