21 December 2025, 18:44

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

Ein Gemälde, das ein paar tanzende Menschen mit Noten oben zeigt.

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Begehren

Was tun mit einem Skandalwerk von vor 100 Jahren, wenn der Skandal verflogen ist? An der Komischen Oper Berlin präsentiert Evgeny Titov eine neue Interpretation von Richard Strauss’ Salome – gesangsfreundlich und packend inszeniert.

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Die Komische Oper Berlin bringt am 22. November 2025 eine mutige Neuinszenierung von Salome auf die Bühne, geregiet von Evgeny Titov. Die einst wegen ihrer schockierenden Themen verbotene Oper von Richard Strauss erzählt von drei besessenen Figuren – Salome, König Herodes und dem Propheten Jochanaan –, deren Leidenschaften in eine Tragödie münden. Die Produktion verspricht eine frische Auseinandersetzung mit Begehren, Macht und Zerstörung in einem visuell beeindruckenden Setting.

Als Salome um 1900 uraufgeführt wurde, löste das Werk Empörung aus und wurde zunächst zensiert, bevor es zum Dauerbrenner wurde. Die Handlung kreist um Salomes tödliche Faszination für Jochanaan, der ihre Avancen zurückweist. König Herodes, zugleich fasziniert und verängstigt, bietet ihr im Austausch für einen Tanz alles an, was sie begehrt. Nach ihrem Auftritt befiehlt er Jochanaans Hinrichtung – doch Salome küsst dessen abgetrenntes Haupt in einem grotesken Höhepunkt, was schließlich ihr eigenes Todesurteil besiegelt, als Herodes ihre Ermordung anordnet.

Titovs Inszenierung setzt die Geschichte in einem kargen, matt-goldenen Gewölbe in Szene, während Salome in eine weiße Kapuze gehüllt auftritt. Begehren durchdringt die gesamte Bühnengestaltung: Jochanaan kämpft mit eigenen verbotenen Sehnsüchten, Herodes schwankt zwischen Bedrohung und Feigheit. Der berühmte Tanz der sieben Schleier wird zu einem gespenstischen Schauspiel, bei dem mehrere maskierte Tänzerinnen Salome spiegeln und sie zur Figur machen, die von Mächten verschlungen wird, die sie nicht kontrollieren kann. Auf der Bühne überzeugen Nicole Chevalier als Salome und Matthias Wohlbrecht als Herodes mit mitreißenden Darstellungen, unterstützt vom Orchester unter James Gaffigan, das dramatische Intensität mit gesanglicher Klarheit verbindet. Das Ergebnis ist eine Produktion, die das provokative Erbe der Oper ehrt und zugleich eine fesselnde moderne Deutung bietet.

Nach der Premiere kehrt Salome für weitere Vorstellungen am 7., 12. und 18. Dezember an die Komische Oper Berlin zurück. Titovs Regie, kombiniert mit einer starken musikalischen und dramaturgischen Umsetzung, unterstreicht den Ruf der Oper als Meisterwerk psychologischer und erotischer Spannung. Das Publikum darf eine Inszenierung erwarten, die Strauss’ Vision treu bleibt und gleichzeitig neue Tiefen in den Obsessionen der Figuren erkundet.