Niedersachsens Polizei am Limit: Personalmangel gefährdet die öffentliche Sicherheit
Heinz-Peter SödingNiedersachsens Polizei am Limit: Personalmangel gefährdet die öffentliche Sicherheit
Die Polizei in Niedersachsen steht vor einer immer größeren Personalnot: Erfahrene Beamte scheiden in großer Zahl aus dem Dienst aus, während zu wenige neue Kräfte angeworben werden. Patrick Seegers, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), warnt, dass die bisherigen Maßnahmen – darunter zusätzliche Planstellen und administrative Entlastung – die Lücke nicht schließen werden. Ohne nachhaltige Lösungen, so Seegers, könnte die öffentliche Sicherheit auf dem Spiel stehen.
Der Gewerkschafter betont, dass sich die Anforderungen an die Polizeiarbeit in den vergangenen Jahren grundlegend verändert haben. Für dieselben Aufgaben werden heute mehr Beamte benötigt, doch der Personalbestand hält mit diesem Bedarf nicht Schritt. Die Kluft zwischen genehmigten Stellen und tatsächlich besetzten Positionen wird immer größer – die Behörden sind chronisch unterbesetzt.
Kritik übt die DPolG auch am Haushaltsentwurf für 2026, der zentrale Probleme ignoriert. So liegen die Polizeizulagen weiterhin unter dem Bundesschnitt und sind trotz wiederholter Forderungen nach einer Reform noch immer nicht rentenfähig. Zudem seien viele Polizeidienststellen veraltet: Mangelhafte Technik und marode Gebäude belasten die Gesundheit, die Motivation und die Effizienz der Beamten. Seegers macht deutlich, dass eine echte Digitalisierung der Polizei erhebliche Vorabinvestitionen erfordere. Halbherzige Lösungen, warnt er, würden langfristig nur höhere Kosten verursachen.
Zwar begrüßt die Gewerkschaft jüngste Investitionen in die Infrastruktur, doch Einmalzahlungen reichen nicht aus. Notwendig seien vielmehr kontinuierliche und verlässliche Mittel – sowohl für das Personal als auch für langfristige Strukturen. Die Weichen für die Polizeifinanzierung stellen dabei zentrale politische Akteure: Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) gibt als Regierungschef die Richtlinien vor, Finanzminister Gerald Heere (SPD) zeichnet für den Haushalt verantwortlich, der am 18. Dezember 2025 verabschiedet werden soll. Letztendlich entscheidet der Niedersächsische Landtag, in dem die SPD-Grüne Koalition die Mehrheit stellt, über das Ausmaß der Unterstützung für die Polizei.
Die Warnungen der DPolG unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf. Ohne dauerhafte Investitionen in Personal, Technik und Arbeitsbedingungen droht die niedersächsische Polizei weiter zurückzufallen. Die Botschaft der Gewerkschaft ist klar: Nur mit ausreichend gut ausgestatteten Beamten im Dienst lässt sich die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in der Region langfristig gewährleisten.
