Niedersachsens Betriebe verzweifelt: Jeder zweite Ausbildungsplatz bleibt leer
Heinz-Peter SödingJede fünfte Firma stellt Auszubildende ohne Schulabschluss ein - Niedersachsens Betriebe verzweifelt: Jeder zweite Ausbildungsplatz bleibt leer
Betriebe in Niedersachsen kämpfen mit unbesetzten Ausbildungsplätzen – trotz steigender Nachfrage
Trotz wachsendem Bedarf haben Unternehmen in Niedersachsen zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Fast die Hälfte aller Betriebe konnte im vergangenen Jahr nicht genug Azubis einstellen. Gleichzeitig ist mittlerweile jedes fünfte Unternehmen bereit, Bewerber ohne Schulabschluss einzustellen.
Der Mangel zeigt sich besonders drastisch: Mehr als ein Viertel der Betriebe erhielt überhaupt keine Bewerbungen auf ihre freien Stellen. Arbeitgeber berichten zudem von sinkenden Qualifikationen unter den Bewerbern – viele Auszubildende benötigen nach der Einstellung zusätzliche Förderung.
Eine Umfrage unter niedersächsischen Unternehmen ergab, dass 46 Prozent im Jahr 2023 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnten. Über 80 Prozent machten einen Mangel an geeigneten Bewerbern als Hauptgrund für die unbesetzten Stellen aus. Gleichzeitig erhielt fast ein Drittel der Betriebe (28 Prozent) nicht eine einzige Bewerbung für ihre Ausbildungsangebote.
Auch die Qualität der Bewerber lässt nach: Fast zwei Drittel der Unternehmen stellten eine Verschlechterung der Bewerbungsstandards fest. Drei Viertel der Auszubildenden benötigten nach der Einstellung zusätzliche Schulungen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Die größten Defizite zeigten sich in sozialen Kompetenzen (von 80 Prozent der Betriebe genannt), gefolgt von Mathematik und Naturwissenschaften (57 Prozent) sowie Sprachkenntnissen, Lese- und Schreibfähigkeiten (54 Prozent).
Trotz dieser Herausforderungen bieten vier von fünf Unternehmen weiterhin Ausbildungsplätze an – jedes fünfte hat sein Angebot im Vergleich zum Vorjahr sogar ausgeweitet. Der Geschäftsführer von NiedersachsenMetall lehnte Vorschläge für eine Ausbildungsabgabe ab und argumentierte, die Betriebe seien bereits bereit, mehr Azubis auszubilden, als sie aktuell unterbringen könnten.
Besonders kritisch werden die Sprachkenntnisse bewertet: Schwächen in diesem Bereich können die Produktivität mindern und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen. Angesichts des Rückgangs qualifizierter Bewerber ziehen immer mehr Betriebe jedoch auch Kandidaten ohne formalen Schulabschluss in Betracht – mittlerweile macht diese Gruppe jeden fünften Neueinstellung aus.
Der Ausbildungsmarkt in Niedersachsen bleibt unter Druck: Viele Unternehmen finden nicht genug geeignete Nachwuchskräfte. Als Reaktion bieten sie mehr Plätze an und senken die Einstiegsvoraussetzungen. Dennoch bleiben der zusätzliche Schulungsbedarf und die Sorge um das Qualifikationsniveau eine Belastung für die Betriebe in der Region.
