Niedersachsen blockt Apothekenreform: Droht ländlichen Regionen die Medikamentenknappheit?
Winfried JunkNiedersachsen blockt Apothekenreform: Droht ländlichen Regionen die Medikamentenknappheit?
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi treibt vor der Bundesratsdebatte weitreichende Änderungen am Apothekenstärkungsgesetz voran. Sein Ministerium lehnt zentrale Teile des Bundesentwurfs ab und warnt, dass die aktuellen Pläne die Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum gefährden könnten. Über 60 Änderungsanträge der Länder liegen nun zur Diskussion auf dem Tisch.
Kritikpunkt von Philippi sind vor allem die Pläne zur Lockerung der Regeln für Filialapotheken. Diese kleineren Standorte böten weniger Leistungen und könnten keine Vollsortiment-Apotheken ersetzen – besonders nicht in ländlichen Gebieten, argumentiert er. Ohne strengere Schutzmaßnahmen drohten vielen Gemeinden in Niedersachsen der Verlust des Zugangs zu lebenswichtigen Arzneimitteldienstleistungen, so seine Warnung.
Das Ministerium spricht sich zudem gegen den Betrieb von Apotheken ohne physische Anwesenheit eines Apothekers aus. Abgelehnt werden auch Vorschläge, nach denen pharmazeutisch-technische Assistenten Apotheken vorübergehend leiten dürfen. Betont wird, dass nur qualifizierte Apotheker die Verantwortung tragen sollten. Eine weitere zentrale Forderung ist die Erhöhung der Festzuschläge für die Abgabe von Medikamenten, um finanziell angeschlagene Apotheken vor der Schließung zu bewahren.
Mit mehr als 60 Änderungsvorschlägen der Länder wird die anstehende Bundesratsdebatte die endgültige Fassung des Gesetzes prägen. Philippis Position spiegelt die breiten Bedenken wider, wie sich hohe Standards in der apothekerlichen Versorgung mit sich wandelnden Regularien vereinbaren lassen.
Die Diskussion um das Apothekenstärkungsgesetz geht nun in den Bundesrat, wo Philippis Reformforderungen auf den Prüfstand kommen. Die Ablehnung von Filialausweitungen und Personaländerungen durch sein Ministerium zeigt die Spannungen zwischen den Bundesvorgaben und den Prioritäten der Länder. Das Ergebnis wird entscheiden, wie Apotheken künftig arbeiten – und ob ländliche Regionen weiterhin vollumfänglich versorgt werden.
