13 January 2026, 00:20

Marion Braschs „On Air On Fire“ weckt den rebellischen Geist von DT64 wieder auf

Ein altes Buch mit einer detaillierten Schwarz-Weiß-Karte von Deutschland, das ein paar Menschen und Text enthält.

Marion Braschs „On Air On Fire“ weckt den rebellischen Geist von DT64 wieder auf

Marion Braschs neues Docufiction-Stück bringt den rebellischen Geist von DT64 zurück – dem legendären Jugendradio der DDR

Mit „On Air On Fire“ lässt die Autorin die mutigsten Momente des Senders im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums des Theater an der Parkaue wiederaufleben. Die Produktion verbindet reale Ereignisse mit fiktionalen Elementen und rückt eine Zeit in den Fokus, in der junge Stimmen die Zensur herausforderten und Veränderung einforderten.

DT64 ging 1964 als Jugendprogramm von Radio DDR auf Sendung und entwickelte sich schnell zu einer Plattform für kühne Ideen und Underground-Kultur. In den späten 1980er-Jahren wurde der Sender zu einem Ort, an dem Jugendliche offen sprachen – wie etwa eine junge Frau, die einem Reporter sagte: „Unsere Gesellschaft ist schrecklich freudlos geworden. Unsere Unfähigkeit zu spielen macht uns jeden Tag mehr Feinde.“ Doch nicht jede Stimme durfte gesendet werden. Rio Reisers Lied „Der Traum ist aus“ wurde mit einer entscheidenden Zeile zensiert: „Unser Land ist es nicht“ – ein Vers, der dem Staat zu provokant erschien.

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Der Kampf um den Erhalt von DT64 wurde zum Wendepunkt. Als die Behörden den Sender schließen wollten, protestierten Hörer:innen, besetzten sogar die Senatskanzlei. Doch auch im Inneren des Senders gab es Widerstand: Eine Sprecherin verweigerte die Verlesung des offiziellen Berichts über die Niederschlagung der Proteste am Platz des Himmlischen Friedens – eine Szene, die Brasch nun in ihr Stück einwebt. Als ehemalige Musikredakteurin und Moderatorin (1987–1992) erinnert sie sich an die intime, egalitäre Atmosphäre des Senders in den letzten Jahren der DDR. „On Air On Fire“ ist mehr als eine Hommage – es ist Teil der theaterpädagogischen Mission, junge Stimmen heute zu verstärken. In Workshops erhalten Teilnehmer:innen Raum, um selbst zu sprechen und zuzuhören, ganz im Geist von DT64. Die Produktion blickt nicht nur zurück, sondern fragt: Was passiert, wenn eine Generation sich weigert, zum Schweigen gebracht zu werden?

Das Jubiläumsprojekt des Theater an der Parkaue hält das Erbe von DT64 durch Erzählungen und Jugendbeteiligung lebendig. Braschs Werk verbindet vergangene Kämpfe mit heutigen Debatten und zeigt, wie ein einst von Rebellion geprägter Sender bis heute nachwirkt. Für diejenigen, die um seinen Erhalt kämpften, endete der Traum vom offenen Dialog nie wirklich.