Gorleben bleibt Deutschlands ungeliebter Atommüll-Zwischenlagerstreit
Serpil KranzGorleben bleibt Deutschlands ungeliebter Atommüll-Zwischenlagerstreit
Deutschlands Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll zieht sich weit länger hin als geplant. Die Suche könnte nun noch mehrere Jahrzehnte dauern – mit einem Betrieb, der frühestens im nächsten Jahrhundert beginnen dürfte. Unterdessen bleibt das Zwischenlager Gorleben ein Zankapfel.
Die oberirdische Lagerhalle in Gorleben wurde zwischen 1982 und 1983 mit nur 50 Zentimeter dicken Stahlbetonwänden und einer 20 Zentimeter starken Dachplatte errichtet. Aktuell lagern dort 113 Castor-Behälter, die zwischen 1995 und 2011 in 13 streng bewachten Transporten angeliefert wurden. Lokale Atomkraftgegner spotten und nennen die Anlage einen „Kartoffelschupper“, da sie nach ihrer Ansicht keinen ausreichenden Schutz vor modernen Bedrohungen biete.
Die erste Genehmigung für die Zwischenlagerung von Deutschlands Atommüll läuft 2034 aus – dann endet auch die aktuelle Betriebsbewilligung für Gorleben. Der Betreiber BGZ beantragte eine Verlängerung der Lizenz um 20 Jahre, doch Kritiker halten dies für keine nachhaltige Sicherheitslösung. 2024 begann die BGZ mit dem Bau einer zehn Meter hohen Schutzwand um das Gelände, und im vergangenen Frühjahr wurde eine Flugverbotszone verhängt. Dennoch bleiben Zweifel, ob die alternde Anlage abgerissen und durch ein moderneres, zweckgebundenes Lager ersetzt werden sollte.
Lokale Aktivisten betonen, Gorleben sei niemals dafür ausgelegt worden, noch ein weiteres Jahrhundert Terror- oder Militärangriffen standzuhalten. Die Debatte über die Zukunft der Anlage hält an, während die Pläne für ein Endlager weiter in der Schwebe sind. Gorlebens Rolle als Zwischenlager war stets als vorübergehend gedacht – doch sie könnte weit länger andauern als vorgesehen. Die begrenzte Eignung der Anlage und die zögerliche Suche nach einem Endlager lassen Deutschlands Atommüllstrategie in einer Pattsituation. Die Behörden müssen bald entscheiden: Soll der Standort aufgerüstet werden – oder sind andere langfristige Lösungen nötig?
