Düsseldorfer Kunstpalast setzt auf unfreundliche Führungen – und begeistert damit
Heinz-Peter SödingDüsseldorfer Kunstpalast setzt auf unfreundliche Führungen – und begeistert damit
Ein Düsseldorfer Museum macht mit seiner "mürrischen Führungs"-Tour unfreundliches Verhalten zum Überraschungserfolg
Seit dem Start im Mai ist jede Veranstaltung ausverkauft – die Besucher sind eher amüsiert als beleidigt. Die Idee stammt aus einer ungewöhnlichen Quelle: einem Performance-Künstler und dem Trend der "fiesen Kellner"-Restaurants.
Das Kunstpalast-Museum in Düsseldorf bietet nun eine Führung an, geleitet von Joseph Langelinck, einem absichtlich unfreundlichen Guide. Für sechs Euro erleben die Gäste eine Stunde voller scharfer Kommentare, herablassender Gesten und Spott, wenn sie auf ihr Handy schauen oder sich setzen wollen. Das Museum wirbt sogar mit dem Versprechen einer "höchst unangenehmen" Erfahrung.
Hinter der Figur steckt der Performance-Künstler Carl Brandi, der Langelinck verkörpert. Er betont, nie direkt beleidigend zu werden, aber die Besucher bewusst unwissend fühlen zu lassen. Trotz des harten Tons kommt die Tour gut an – viele finden sie witzig und clever. Inspiriert wurde das Konzept unter anderem von Lokalen wie Karen’s Diner, wo das Personal die Gäste während des Essens beschimpft. Die Museumsleitung griff den Trend auf und beauftragte Brandi mit einer ähnlichen Idee. Immer mehr Kultureinrichtungen suchen nach interaktiven und ungewöhnlichen Wegen, um Besucher zu begeistern – doch nur wenige gehen so weit.
Die "mürrische Führungs"-Tour ist ein voller Erfolg: Seit der Premiere ist jeder Termin ausgebucht. Die Gäste verlassen das Museum unterhalten statt verärgert – ein Beweis dafür, dass selbst Unhöflichkeit Publikum anziehen kann. Das Experiment zeigt, wie weit manche gehen, um kulturelle Erlebnisse unvergesslich zu machen.
