Deutschland will eine Million Hektar Moor bis 2045 renaturieren – doch die Zeit drängt
Heinz-Peter SödingDeutschland will eine Million Hektar Moor bis 2045 renaturieren – doch die Zeit drängt
Deutschland plant bis 2045, eine Million Hektar Moorland wiederherzustellen, um die Klimaziele im Bereich Landnutzung zu erreichen. Dies könnte insbesondere Niedersachsen verändern, das den größten Mooranteil des Landes hat. Fachleute fordern nun einen Kurswechsel in der Politik: weg von freiwilligen Maßnahmen, hin zu einer Überprüfung der Subventionen für die trockene Moornutzung.
Der Wissenschaftliche Beirat für Naturschutz und Klimaschutz (WBNK) drängt auf strengere Vorgaben bei der Moor-Renaturierung. Aktuell machen Moore etwa acht Prozent der Fläche Niedersachsens aus – sie werden vor allem als Weide- oder Ackerland genutzt. Der Beirat schlägt vor, die Förderung für die trockene Moorbewirtschaftung schrittweise abzuschaffen, darunter auch Zahlungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP).
Konkrete Projekte laufen bereits an. In Niedersachsen sollen bis 2035 rund 1.840 Hektar Moor wiedervernässt werden. Kleinere Initiativen wie das 0,213 Hektar große Vorhaben von Mission to Marsh oder ein drei Hektar umfassendes Projekt, finanziert durch Katalogrecycling, zeigen erste Fortschritte. Doch bundesweit fehlen noch umfassende Daten darüber, wie viel Moorfläche bereits erfolgreich renaturiert wurde.
Um das Ziel von einer Million Hektar zu erreichen, müssten jährlich etwa 50.000 Hektar wiederhergestellt werden, schätzen Experten. Der WBNK empfiehlt zudem, die Klimaresilienz der Wälder zu stärken – etwa durch einen Stopp der Holznutzung in 110.000 Hektar alten Buchenwäldern. Allein diese Maßnahme könnte jährlich zwei Millionen Tonnen CO₂ zusätzlich einsparen.
Wirtschaftliche Bedenken bleiben. Der Beirat betont, dass die Paludikultur – die nasse Bewirtschaftung von Mooren – rentabel bleiben muss, um Landwirte und Grundbesitzer langfristig für die Renaturierung zu gewinnen.
Die Vorschläge des WBNK könnten die Landnutzung in Niedersachsen und darüber hinaus grundlegend verändern. Der schrittweise Abbau von Subventionen für die trockene Moornutzung und die beschleunigte Anpassung der Wälder sind zentrale Hebel. Entscheidend wird sein, Klimaziele mit wirtschaftlichen Anreizen für Landwirte und Eigentümer in Einklang zu bringen.
