Bahn-Chaos nach Funkausfall: Stuttgart 21 verzögert sich bis 2031
Heinz-Peter SödingBahn-Chaos nach Funkausfall: Stuttgart 21 verzögert sich bis 2031
Deutschlands Bahnnetz stand am Dienstagabend plötzlich still, nachdem ein Ausfall des Bahnfunksystems tausende Reisende stranden ließ. Der Blackout dauerte fast zwei Stunden und legte den Zugverkehr im gesamten Land lahm – unabhängig von den Wetterbedingungen.
Die Verzögerungen hängen mit den anhaltenden Problemen bei der Digitalisierung des Stuttgarter Eisenbahnknotens zusammen. Verantwortliche nannten unreife Planungsprozesse als zentralen Grund. Unterdessen erlebt das Projekt Stuttgart 21 weitere Rückschläge: Die Fertigstellung verzögert sich nun bis Ende 2031 – fünf Jahre später als ursprünglich geplant.
Auch intern steht die Deutsche Bahn vor tiefgreifenden Veränderungen. Das Unternehmen baut seine Zentrale um und kürzt rund 30 Prozent der Führungspositionen im Konzern. Vorstandschefin Evelyn Palla gerät diese Woche zunehmend unter Druck, da die Kritik an ihrer Arbeit wächst. Der jüngste Abgang der ehemaligen Finanzvorständin Karin Dohm – nach nur vier Monaten im Amt – verschärfte die Turbulenzen. Heute soll der Aufsichtsrat Michael Obrowski, bisher bei Volkswagen, zum neuen Finanzvorstand berufen werden.
Zudem wächst der externe Druck: Der italienische Anbieter Italo will 2028 mit 30 Hochgeschwindigkeitszügen auf dem deutschen Fernverkehrsmarkt einsteigen. Das Vorhaben zielt auf lukrative Strecken ab, die bisher von der Deutschen Bahn dominiert werden, und könnte deren Spielraum für die Quersubventionierung weniger rentabler Regionalverbindungen verringern.
Der Funkausfall offenkundete die Schwachstellen der deutschen Bahninfrastruktur. Durch die bevorstehende Konkurrenz von Italo könnte die Deutsche Bahn gezwungen sein, ihr Finanzmodell zu überdenken. Führungswechsel und Projektverzögerungen verschärfen die Herausforderungen in den kommenden Jahren.
