11 January 2026, 02:40

A39-Autobahnprojekt wird überraschend zur Bundespriorität – trotz fragwürdiger Kosten-Nutzen-Rechnung

Eine Straße mit Fahrzeugen und Text auf einem Präsentationsfolie.

A39-Autobahnprojekt wird überraschend zur Bundespriorität – trotz fragwürdiger Kosten-Nutzen-Rechnung

Umstrittene A39-Autobahnverlängerung wird überraschend zur Bundespriorität – nach dramatischer Kehrtwende in der Kosten-Nutzen-Bewertung

Jahrelang als unwirtschaftlich eingestuft, erreicht das Projekt nun plötzlich einen Wert von 5,2 – und zählt damit zu den favorisierten Straßenbauvorhaben Deutschlands. Doch die plötzliche Aufwertung sorgt für Verwirrung: Wie können identische Daten zu derart gegensätzlichen Ergebnissen führen?

Die geplante Trasse soll durch die Regionen Wendland und Altmark führen und Städte wie Wittingen, Uelzen und Bad Bevensen verbinden. Befürworter preisen die wirtschaftliche Belebung der Region, Umweltschützer warnen vor unwiederbringlichen Schäden für Wälder und Tierarten wie Wildkatzen und Wölfe.

Noch vor Kurzem rechtfertigte der 1,6-Milliarden-Euro-Preis des Projekts kaum seinen Nutzen. Eine unabhängige Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums, geleitet von Professor Stefan Gössling, kam in verschiedenen Szenarien zu ernüchternden Ergebnissen: Bei hohen CO₂-Kosten ergab sich ein Wert von -0,6, selbst unter Standardbedingungen erreichte die Bewertung nur 0,9 – weit unter der für eine Genehmigung erforderlichen Schwelle.

Doch Anfang 2024 präsentierte das Verkehrsministerium auf Basis derselben Daten plötzlich ein Ergebnis von 5,1. Studienleiter Richard Hartl zeigte sich fassungslos: Ein derartiger Sprung würde voraussetzen, dass der Nutzen des Projekts um das Fünffache aufgebauscht wurde. Die schließlich veröffentlichte Bewertung von 5,2 katapultiert die A39 nun in die Riege der „Elite-Projekte“ der Bundesregierung – trotz der unerklärten Diskrepanz.

Unterstützer wie der lokale Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil (SPD) betonen die strategische Bedeutung: Eine direkte Verbindung zwischen dem Volkswagen-Werk in Wolfsburg und dem Hamburger Hafen könnte die Logistik beschleunigen. Auch der Rüstungsstandort Rheinmetall in Unterlüß würde profitieren. Kritiker wie Greenpeace warnen hingegen vor der Zerschneidung schützenswerter Wälder, die Lebensraum für bedrohte Arten sind.

Obwohl die Ampelkoalition grundsätzliche Mittel für Autobahnprojekte freigegeben hat, bleibt die wirtschaftliche Rechtfertigung der A39 heftig umstritten. Die Grüne Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden forderte die aktualisierten Berechnungen an – doch eine Erklärung für die plötzliche Aufwertung blieb aus. Ohne Transparenz nährt dies den Verdacht, dass ein jahrelang blockiertes Projekt über Nacht zur Priorität erklärt wurde.

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Trotz offener Fragen zur Kosten-Nutzen-Analyse schreitet die A39-Verlängerung nun als Leuchtturmprojekt der Infrastrukturpolitik voran. Falls realisiert, würde sie die Verkehrsverbindungen zwischen den industriellen Zentren Niedersachsens und dem Hamburger Hafen neu ordnen. Umweltschützer kündigen weiter Widerstand an – mit Verweis auf unwiederbringliche Schäden für geschützte Ökosysteme und anhaltende Zweifel an der finanziellen Sinnhaftigkeit.