Zuckerreduktion in Softdrinks: Warum die Regierung unter Beschuss gerät
Leopold BeerZuckerreduktion in Softdrinks: Warum die Regierung unter Beschuss gerät
Deutschlands Pläne zur Zuckerreduktion in Erfrischungsgetränken geraten unter Druck
Nach widersprüchlichen Berichten stehen die Bemühungen der Bundesregierung, den Zuckergehalts in Softdrinks zu senken, zunehmend in der Kritik. Während das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Rückgang um 15 % seit 2018 behauptet, zeichnet ein unabhängiger Datensatz ein anderes Bild. Kritiker fragen sich nun, ob der gewählte Ansatz der Regierung wirkt – oder ob schärfere Vorschriften nötig sind.
Im Jahr 2024 gab das Ministerium bekannt, der Zuckeranteil in Erfrischungsgetränken sei zwischen 2018 und 2024 um 15 % gesunken. Doch diese Zahl bezog sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Getränke – nicht auf alle untersuchten Produkte. Interne Unterlagen zeigten später, dass die tatsächliche Reduktion nur bei 9,1 % lag.
Das Max Rubner-Institut, eine Bundesforschungseinrichtung, stellte im selben Zeitraum bei gezuckerten Softdrinks keine nennenswerte Veränderung des Zuckergehaltes fest. Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch warf dem Ministerium einen „dreisten Versuch“ vor, den Bedarf an strengeren Regulierungen herunterzuspielen. Das Ministerium wies den Vorwurf der Irreführung zurück, steht aber wegen mangelnder Transparenz unter wachsendem Druck.
Mitten in der Debatte bestätigte die Regierung Pläne für eine Zuckersteuer, die ab 2028 greifen soll. Von der Abgabe ausgenommen wären Getränke mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Bei einem Gehalt von 5 bis 8 Gramm läge der Aufschlag bei 26 Cent pro Liter, stark gezuckerte Getränke würden mit 32 Cent zusätzlich belastet. Branchenverbände haben bereits mit Lobbyarbeit gegen den Vorschlag begonnen, der jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen könnte.
Die Zuckersteuer soll 2028 in Kraft treten und vor allem hochgezuckerte Getränke treffen. Angesichts wachsenden Widerstands aus der Industrie und unabhängiger Daten, die den offiziellen Angaben widersprechen, könnte der Erfolg der Maßnahme von einer konsequenteren Umsetzung abhängen. Die nächsten Schritte der Regierung werden zeigen, ob die Zuckerreduktion tatsächlich an Fahrt aufnimmt.






