05 June 2026, 17:32

Wie die Junge Freiheit von 400 Exemplaren zur umstrittenen Medienmacht wurde

Unangenehme Fragen an Dieter Stein, Chef von JUNGEN FREIHEIT

Wie die Junge Freiheit von 400 Exemplaren zur umstrittenen Medienmacht wurde

Dieter Stein gründete die Junge Freiheit 1986 als kleine, taschenfreundliche Zeitung mit einer Startauflage von nur 400 Exemplaren. Sein Ziel war es, die von ihm wahrgenommene Vorherrschaft linker Strömungen in deutschen Medien und Universitäten herauszufordern. Im Laufe der Jahre wuchs die Publikation – doch mit ihr auch die Kontroversen.

Die Zeitung geriet ins Visier der Behörden, darunter die Beobachtung durch den deutschen Inlandsgeheimdienst. Leser fürchteten sogar, allein durch den Kauf eines Exemplars überwacht zu werden. Stein selbst wurde zu einer polarisierenden Figur, die sich mit allem auseinandersetzen musste – von Brandanschlägen bis zu unangenehmen Fragen nach seiner politischen Haltung.

Die erste Ausgabe der Jungen Freiheit erschien 1986 als schlichtes 16-seitiges Heft. Stein transportierte die Erstauflage in einem Pappkarton auf dem Fahrrad nach Hause. Die anfängliche Mission des Blattes war klar: eine konservative Stimme in einer von Stein als linksdominiert empfundenen Medienlandschaft zu sein.

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Bis Anfang der 1990er-Jahre hatte die Publikation genug an Einfluss gewonnen, um von Freiburg nach Berlin umzuziehen – Jahre bevor die deutsche Regierung offiziell in die wiedervereinte Hauptstadt umzog. Doch mit dem Wachstum kam auch Gegenwind. 1995 wurde Steins Auto vor dem Redaktionsgebäude in Brand gesteckt, ein Anschlag, den er später mit politischem Widerstand in Verbindung brachte.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der deutsche Inlandsgeheimdienst, nahm die Junge Freiheit wegen mutmaßlicher Verbindungen zu extremistischen Kreisen unter Beobachtung. Einige Leser berichteten, sich überwacht zu gefühlt zu haben; manche waren überzeugt, ihre Telefone würden allein wegen eines Abonnements abgehört. Stein wies Vorwürfe zurück, die Zeitung erhalte Gelder von der rechtspopulistischen AfD, und bezeichnete solche Gerüchte als haltlos.

Neben äußeren Druckfaktoren sah sich Stein auch internen Herausforderungen gegenüber. Selbst sein eigenes Social-Media-Team konfrontierte ihn mit Themen, die viele in der Öffentlichkeit meiden würden. Sogar private Angelegenheiten, wie der mögliche Wehrdienst seines Sohnes, wurden zur Diskussion gestellt. Zwar befürwortet Stein die Wehrpflicht grundsätzlich, doch betont er, die Entscheidung liege allein bei seinem Sohn.

Von einer Startauflage von 400 Exemplaren zu einer unter staatlicher Beobachtung stehenden Publikation: Die Junge Freiheit bleibt ein Reizthema in den deutschen Medien. Steins Beharren auf Unabhängigkeit – finanziell wie redaktionell – hält das Blatt in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Doch ihre Geschichte von Brandanschlägen, Geheimdienstüberwachung und politischen Auseinandersetzungen sorgt dafür, dass die Debatten um die Zeitung so schnell nicht verstummen werden.

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