Warum viele Angestellte trotz Präsenzpflicht heimlich im Homeoffice bleiben
Winfried JunkWarum viele Angestellte trotz Präsenzpflicht heimlich im Homeoffice bleiben
Immer mehr Unternehmen führen nach Jahren flexibler Arbeitsmodelle während der Pandemie wieder strenge Präsenzpflichten im Büro ein. Konzerne wie SAP, Otto und Volkswagen verlangen von ihren Mitarbeitenden nun, an ihre Schreibtische zurückzukehren. Doch viele Beschäftigte stellen infrage, ob die Anwesenheit im Büro die Produktivität tatsächlich steigert.
Eine aktuelle Umfrage des Jobportals Indeed ergab, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer nur ins Büro kommt, um von Vorgesetzten gesehen zu werden. Ganze 56,6 Prozent gaben zu, ihre Aufgaben zu Hause schneller erledigen zu können. Trotzdem haben Unternehmen wie Vodafone verbindliche Präsenzquoten eingeführt und drängen die Belegschaft zurück an die Arbeitsplätze.
Viele Angestellte fühlen sich zudem unter Druck, länger zu bleiben, wenn der Chef noch da ist. Rund 25,4 Prozent verweilen im Büro, obwohl sie ihre Arbeit bereits abgeschlossen haben. Andere gehen noch weiter, um produktiv zu wirken: 27,7 Prozent stellen manuell ihren Status auf "verfügbar", während sie im Homeoffice arbeiten.
Die Umfrage offenbart tiefgreifende Bedenken zur Unternehmenskultur. Fast zwei Drittel der Beschäftigten (66,2 Prozent) würden eine Gehaltskürzung von fünf Prozent in Kauf nehmen, wenn ihre Leistung ausschließlich nach Ergebnissen – und nicht nach Präsenzzeiten – bewertet würde. Gleichzeitig wünschen sich 47,3 Prozent kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg, um die Bürotätigkeit erträglicher zu machen.
Die Rückkehr zur Präsenzarbeit zeigt eine Kluft zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und den Vorlieben der Mitarbeitenden. Während Unternehmen auf Anwesenheitspflicht pochen, sind viele Beschäftigte überzeugt, dass Produktivität von der Leistung – und nicht vom Ort – abhängt. Die Debatte über flexible Arbeitsmodelle wird voraussichtlich weitergehen, während sich Firmen und Belegschaften an die neuen Regeln anpassen.






