Warum Deutschen der nationale Stolz noch immer schwerfällt
Deutschland und der schwierige Umgang mit nationalem Stolz
In Deutschland ist das Verhältnis zur nationalen Identität bis heute kompliziert. Viele Bürger tun sich schwer damit, Patriotismus offen zu zeigen – selbst bei großen Anlässen. Besonders sichtbar wird diese Ambivalenz während Fußballturniere und bei öffentlichen Darstellungen nationaler Symbole.
Vor der Weltmeisterschaft schmückte mein jüngster Sohn den Familienwagen mit Deutschlandfahnen. Solche Gesten sind üblich, wenn die Nationalmannschaft bei großen Turnieren antritt. Auch der Einzelhandel reagiert alle vier Jahre mit einer Flut an Fanartikeln.
Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm beleuchtete die Schattenseiten des fußballbedingten Patriotismus. Der Regisseur argumentierte, dass das „Sommermärchen“ von 2006 – eine Welle nationaler Begeisterung während der WM – den Aufstieg rechtsextremer Gruppen wie Pegida und der AfD mitbefördert habe. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel ging mit patriotischer Rhetorik stets behutsam um und mied Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. 2013 nahm sie einem Anhänger auf einer Wahlabendveranstaltung sogar eine Deutschlandfahne ab.
Die Debatte über nationalen Stolz bleibt in Deutschland vielschichtig. Das öffentliche Interesse an der Nationalelf steigt nach wie vor während großer Turniere. Doch die Sorge, dass Patriotismus mit politischen Strömungen verknüpft werden könnte, besteht fort.






