Volkswagen in der Krise: Warum der Autoriese trotz Rekordumsätzen an Wert verliert
Winfried JunkVolkswagen in der Krise: Warum der Autoriese trotz Rekordumsätzen an Wert verliert
Volkswagen kämpft trotz seiner gewaltigen Größe mit anhaltenden finanziellen Herausforderungen. Der Aktienkurs des Konzerns ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich gefallen – und das, obwohl der deutsche DAX-Index im selben Zeitraum stieg. Aktuelle Rückschläge, darunter eine Gewinnwarnung der Tochter Porsche, haben den Druck auf Europas größten Automobilhersteller weiter erhöht.
Die Probleme von Volkswagen kommen nach Jahren des Rückstands im Vergleich zu Konkurrenten auf dem Markt für Elektrofahrzeuge (E-Autos). Das Unternehmen hatte seine Produktionskapazitäten ausgebaut, ohne die Nachfrage ausreichend zu prüfen, und ist dadurch anfällig für sich wandelnde Verbraucherpräferenzen geworden. Der Gewinn pro Aktie (EPS) sinkt kontinuierlich; für 2025 wird er voraussichtlich nur noch bei 15,90 Euro liegen. Analysten sagen zwar eine schrittweise Erholung voraus – sie erwarten einen EPS von 23 Euro bis 2026 und 33,80 Euro bis 2028 –, doch die Aussichten bleiben verhalten.
Auch die Bewertung des Konzerns leidet. Zwar erzielte Volkswagen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 324 Milliarden Euro, doch seine Marktkapitalisierung beträgt lediglich 45,2 Milliarden Euro – ein Bruchteil der 1,4 Billionen Dollar von Tesla, obwohl der US-Konzern mit 97,7 Milliarden Dollar deutlich weniger Umsatz verbuchte. Diese Diskrepanz unterstreicht die Skepsis der Anleger gegenüber Volkswagens Wachstumsperspektiven.
Erst vergangenen Freitag verschärfte Porsche die Lage mit einer Gewinnwarnung, die eine Gewinnminderung von 5 Milliarden Euro für die gesamte Volkswagen-Gruppe auslöste. Die Nachricht belastete das Anlegervertrauen zusätzlich. Gleichzeitig hat Niedersachsen, größter Volkswagen-Aktionär, den Aufsichtsrat des Konzerns umgestaltet und Vertreter der Grünen berufen – ein mögliches Signal für eine strategische Neuausrichtung.
Die Bewertungskennzahlen spiegeln die Unsicherheit wider: Die Vorzugsaktie von Volkswagen wird für 2025 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 5,64 und für 2026 mit 3,89 gehandelt – Werte, die entweder auf tiefe Pessimismus hindeuten oder aber auf eine mögliche Trendwende. Doch ein Comeback bleibt riskant und hängt davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, sich an die Branchenveränderungen anzupassen.
Volkswagens Zukunft hängt nun davon ab, die sinkende Profitabilität umzukehren und das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Der Konzern muss seine Rückstände bei Elektrofahrzeugen aufholen und gleichzeitig die kurzfristigen finanziellen Belastungen bewältigen. Angesichts einer Marktbewertung, die weit unter der Umsatzgröße liegt, werden die kommenden Jahre zeigen, ob Volkswagen die Lücke zu Konkurrenten wie Tesla schließen kann.






