Verzweifelte Fluchtversuche: Wie Juden in den 1930ern an NS-"Papiermauern" scheiterten
Leopold BeerVerzweifelte Fluchtversuche: Wie Juden in den 1930ern an NS-"Papiermauern" scheiterten
In den 1930er-Jahren verschärfte sich die nationalsozialistische Verfolgung der Juden zusehends, und jüdische Führungspersönlichkeiten suchten dringend nach Wegen, deutschen Juden zur Flucht zu verhelfen. Ein kühner Vorschlag kam von Professor Dr. Stephen Wise, der dem Council for German Jewry einen Plan vorlegte. Sein Ziel war es, 50 Millionen Dollar für eine groß angelegte jüdische Ansiedlung in Palästina aufzubringen und die Auswanderung aus Deutschland zu beschleunigen.
Der Druck zur Auswanderung begann nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933. Allein in diesem Jahr flohen 54.400 Juden aus Deutschland. Die Lage verschärfte sich 1935 weiter, als die Nürnberger Gesetze den Juden die Staatsbürgerschaft entzogen und sie zu Bürgern zweiter Klasse herabstuften.
Eine Delegation deutscher jüdischer Führungskräfte wandte sich später an westliche Staaten und afrikanische Länder mit der Bitte, neben Palästina auch Flüchtlinge aufzunehmen. Doch während das NS-Regime die Juden zum Verlassen des Landes zwang, errichtete es gleichzeitig Hindernisse: Die "Reichsfluchtsteuer" trieb viele in die Armut, und bürokratische Auflagen – später von dem Historiker David Wyman als "Papiermauern" bezeichnet – blockierten ihre Flucht.
Professor Wises Plan erforderte von jüdischen Gemeinden weltweit die Aufbringung beispielloser Summen. Doch die Politik des NS-Regimes in Kombination mit strengen Einwanderungsbestimmungen im Ausland machte eine Ausreise für die meisten nahezu unmöglich. Selbst Anne Frank und der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt thematisierten diese harte Realität.
Der Vorschlag, die jüdische Besiedlung Palästinas zu finanzieren, unterstrich die verzweifelte Suche nach Lösungen. Doch finanzielle Forderungen und bürokratische Hürden ließen viele in der Falle. Exakte Zahlen fehlen, doch Aufzeichnungen belegen, dass Tausende die Flucht versuchten – die meisten jedoch scheiterten an unüberwindbaren Hindernissen.






