Sienna Rose: Die mysteriöse Soulsängerin, die es vielleicht gar nicht gibt
Heinz-Peter SödingAI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Sienna Rose: Die mysteriöse Soulsängerin, die es vielleicht gar nicht gibt
Eine Soulsängerin namens Sienna Rose hat auf Spotify fast zwei Millionen monatliche Hörer gesammelt – doch es gibt Zweifel, ob sie überhaupt existiert. Ihre Musik, die als "tief persönlich" beschrieben wird, hat sowohl Fans als auch Skeptiker auf den Plan gerufen – vor allem, nachdem Hinweise darauf hindeuteten, dass es sich bei ihr möglicherweise um eine KI-Kreation und nicht um eine echte Künstlerin handeln könnte.
Auf ihrem Spotify-Profil präsentiert sich Sienna Rose als junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen, die sich selbst als "Geschichtenerzählerin des Herzens" bezeichnet. Doch ihr rasanter Aufstieg – ohne vorherige Bekanntheit, ohne Live-Auftritte und mit minimaler Social-Media-Präsenz – hat Fragen aufgeworfen. Internet-Detektive wiesen auf seltsame Details hin, wie Störungen in ihren Videos und eine ungewöhnlich schnelle Veröffentlichung ihrer Songs, was Spekulationen schürte, sie könnte künstlich erschaffen sein.
Eine Untersuchung des Bayerischen Rundfunks verfolgte ihre Spuren bis zu einer russischen Internetverbindung. Die Recherche brachte sie mit Nostalgic Records in Verbindung, einem Label, das auf KI-generierte Acts spezialisiert ist, sowie mit dem Produzenten Maksim Muravjov. Muravjov wiederum steht in Verbindung mit Hafsteinn Runarsson, einem KI-Experten, der für die Erschaffung von Pop-Avataren bekannt ist und Kurse zum Vermarkten künstlicher Künstler anbietet.
Das Rätsel vertiefte sich, als die ursprüngliche Version von Sienna Rose – mit roten Haaren – nach Bekanntwerden der Ermittlungen aus den sozialen Medien verschwand. Nur die Afro-tragende Variante ist noch auf Spotify zu finden. Unterdessen generiert ihre Musik ihren Machern Schätzungen zufolge 2.000 Euro pro Woche – über eine Million im Jahr – allein durch Streaming.
Die Skepsis wuchs weiter, als Selena Gomez einen von Roses Songs auf Instagram teilte. Der Beitrag ging viral, zog aber auch Spott auf sich, da viele die Authentizität der Sängerin anzweifelten. Kritiker wie der YouTuber Rick Beato werfen Spotify vor, KI-generierte Titel aus Profitinteresse zu pushen. Der Streamingdienst Deezer schätzt, dass täglich rund 60.000 vollständig von KI erstellte Songs auf seiner Plattform hochgeladen werden.
Der Fall Sienna Rose unterstreicht die wachsende Präsenz von KI in der Musikbranche, wo virtuelle Künstler Streams und Einnahmen generieren können, ohne physisch zu existieren. Während ihre Schöpfer profitieren, bleibt die Debatte über Transparenz und Echtheit in der Industrie ungelöst. Vorerst laufen ihre Songs weiter – ganz gleich, ob sie real ist oder nicht.