Meyer Werft kämpft ums Überleben: Pandemie drängt Traditionsbetrieb an den Abgrund
Heinz-Peter SödingMeyer Werft kämpft ums Überleben: Pandemie drängt Traditionsbetrieb an den Abgrund
Traditionswerft Meyer Werft steckt in schweren finanziellen Turbulenzen
Die deutsche Werft Meyer Werft kämpft aufgrund der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Krise in der Kreuzfahrtbranche mit existenziellen finanziellen Problemen. Das in diesem Jahr sein 225-jähriges Jubiläum feiernde Unternehmen bezeichnet seine Lage als "prekär" und versucht nun, in den kommenden fünf Jahren rund 1,2 Milliarden Euro einzusparen.
Noch vor der Pandemie hatte Meyer Werft geplant, zwischen 2020 und 2022 sechs Kreuzfahrtschiffe auszuliefern – darunter Schiffe für AIDA Cruises, Royal Caribbean und TUI Cruises. Doch viele Aufträge wurden inzwischen storniert oder verschoben, was die Werft in Bedrängnis bringt.
Eines der betroffenen Schiffe, die Iona, sollte ursprünglich im Mai ausgeliefert werden, doch pandemiebedingte Einschränkungen führten zu einer Verzögerung. Da Reedereien ihre Investitionen zurückfahren, sieht sich Meyer Werft gezwungen, Verträge mit Kunden neu zu verhandeln.
Ab dem 20. Juli wird die Produktion für sechs Wochen pausieren, da die Nachfrage nach Neubauten stark eingebrochen ist. Rund 3.000 Mitarbeiter warten noch auf die Auszahlung von 14 Millionen Euro Urlaubsgeld, das erst später in diesem Jahr gezahlt werden soll. Zudem verhandelt die Geschäftsführung mit den Beschäftigten über die Einführung von Kurzarbeit bis Dezember.
Unternehmenschef Bernard Meyer warnt vor weiteren Herausforderungen. Das Unternehmen beantragt finanzielle Hilfen sowohl bei der Bundesregierung als auch beim Land Niedersachsen, um die Liquidität zu sichern.
Die Zukunft von Meyer Werft hängt nun davon ab, ob staatliche Unterstützung und drastische Kostensenkungen gelingen. Der sechswöchige Produktionsstopp und die Kurzarbeit sollen den Betrieb stabilisieren – doch ohne weitere Maßnahmen bleibt das Überleben der traditionsreichen Werft ungewiss.