12 April 2026, 06:12

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Tarifabschluss und Mindestlohn

Plakat mit einem britischen Granitarbeiter vor einer Bergkulisse, mit dem Text "Was unser Freihandel bedeutet - Britischer Granitarbeiter - Die Fair-Wages-Klausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Tarifabschluss und Mindestlohn

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft müssen weiterhin harte Bedingungen ertragen – trotz eines neuen Tarifabschlusses für fest angestellte Kräfte. Während landwirtschaftliche Mitarbeiter eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate durchsetzten, verdienen viele temporäre Arbeitskräfte nach wie vor nur den gesetzlichen Mindestlohn – und das bei kaum vorhandener Kontrolle zu ihrem Schutz. Berichte enthüllen extreme Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und menschenunwürdige Unterkünfte in der gesamten Branche.

Ein neuer Flächentarifvertrag sieht für fest angestellte Landarbeiter bis 2026 eine Lohnerhöhung von fast 10 Prozent vor. Ungelernte Saisonkräfte profitieren davon jedoch nicht: Sie erhalten in den ersten vier Monaten weiterhin nur den Mindestlohn. Selbst die Einhaltung dieses Grundlohns wird kaum überwacht – die Zahl der Kontrollen sank von 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im vergangenen Jahr.

Untersuchungen zeigen, dass Arbeiter bis zu 70 Stunden pro Woche schuften müssen, wobei ihre Löhne oft illegal um fast 1.000 Euro gekürzt werden. In Hessen wurde ein Fall bekannt, in dem ein 15 Quadratmeter großer Frachtcontainer für über 2.000 Euro monatlich als Unterkunft vermietet wurde. Das wahre Ausmaß der Missstände bleibt unklar: 2023 wurden 243.000 Saisonarbeiter registriert, doch über ihre Herkunft und die genauen Zahlen herrscht Ungewissheit.

Unterdessen fordert der Deutsche Bauernverband eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte. Einige politische Parteien unterstützen den Vorschlag mit dem Argument, dies entlaste die Arbeitgeber. Kritiker warnen jedoch, dass eine solche Regelung die Ausbeutung in einer Branche weiter verschärfen könnte, die bereits von systematischen Missständen geprägt ist.

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Der neue Tarifvertrag lässt die Saisonarbeiter im Stich. Schwache Kontrollen ermöglichen es, dass illegale Praktiken weiterbestehen. Forderungen nach einem reduzierten Mindestlohn erhöhen die Unsicherheit für diese besonders schutzbedürftige Belegschaft. Ohne strengere Überwachung und transparente Daten wird sich die Situation vieler Landarbeiter kaum verbessern.

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