31 May 2026, 12:11

Polyworking: Warum immer mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig brauchen

Polyworking

Polyworking: Warum immer mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig brauchen

Mehrere Jobs gleichzeitig – das „Polyworking“ ist für viele Mittelschichtangehörige längst Alltag

Was einst eine Überlebensstrategie war, ist heute für viele Berufstätige zwischen 26 und 41 Jahren Realität: Fast die Hälfte von ihnen übt mindestens einen Nebenjob aus, um über die Runden zu kommen. Steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne zwingen immer mehr Menschen dazu, zwei, drei oder sogar noch mehr Tätigkeiten gleichzeitig zu stemmen, nur um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Eine Umfrage des Forschungsinstituts Academized aus dem Jahr 2025 zeigt: Jede zweite Person in den späten Zwanzigern und frühen Vierzigern hat mittlerweile einen Zweitjob. Für manche, wie eine Autorin, die seit einem Jahr zwei Teilzeitstellen in Redaktionen mit freiberuflichen Projekten kombiniert, ist die Entscheidung auch eine Frage der persönlichen Präferenz – sie schätzt die Abwechslung und die Kontrolle über ihre Arbeitsbelastung. Doch für die meisten ist Polyworking schlichtweg eine Notwendigkeit.

Die Mieten in Deutschland haben sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt – ein Anstieg, der die Lohnentwicklung bei Weitem übersteigt. Ein Minijob reicht oft nicht einmal für die Grundkosten, und selbst Festanstellungen, die selbst immer unsicherer werden, sind für viele unerreichbar. Die Erfahrung der Autorin spiegelt dies wider: Keiner ihrer beiden befristeten Verträge allein könnte die Miete decken, geschweige denn Rücklagen für Sparen oder die Altersvorsorge ermöglichen.

Der Arbeitsmarkt hat sich angepasst. Seit 2020 sind die Stellenausschreibungen für Teilzeitjobs um fast 69 Prozent gestiegen – besonders in Großstädten, wo die Lebenshaltungskosten am höchsten sind. Wirtschaftliche Unsicherheit und häufige Entlassungswellen machen selbst denen zu schaffen, die eigentlich einen sicheren Job haben. Das Ergebnis: 50- bis 60-Stunden-Wochen, chronischer Schlafmangel und ein Sozialleben, das sich auf hastige Sprachnachrichten und „kurze Updates“ beschränkt.

Viele Vollzeitstellen zahlen mittlerweile so schlecht, dass sie kaum mehr als das nackte Überleben sichern. Angesichts unsicherer Rentenprognosen bleibt vielen nichts anderes übrig, als sich mehrere Jobs zusammenzusuchen, nur um den Kopf über Wasser zu halten. Der Aufstieg des Polyworkings ist kein Trend – er ist eine direkte Reaktion auf eine Wirtschaft, in der ein einziger Job längst nicht mehr ausreicht.

Die Entwicklung hin zu mehreren Tätigkeiten gleichzeitig offenbart eine bittere Wahrheit: Traditionelle Beschäftigungsverhältnisse garantieren keine finanzielle Stabilität mehr. Solange die Mieten steigen und die Löhne stagnieren, werden immer mehr Berufstätige diesen Weg einschlagen müssen. Für viele bleibt die Lösung vorerst dieselbe: länger arbeiten, mehrere Jobs gleichzeitig ausüben – einfach nur, um mitzuhalten.

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