18 February 2026, 21:42

Niedersachsens Handwerk zwischen Optimismus und wachsendem Fachkräftemangel

Ein schwarz-weißes 18. Jahrhundert-Etikett von drei Männern in traditioneller Kleidung, die in einer Fabrik arbeiten, mit einer Wand im Hintergrund und Text unten, der "18. Jahrhundert-Etikett des Inneren einer Fabrik" lautet.

Mangel an Nachfolgern verschärft den Fachkräftemangel in Handwerksbetrieben - Niedersachsens Handwerk zwischen Optimismus und wachsendem Fachkräftemangel

Handwerksbetriebe in Niedersachsen melden optimistischen Jahresstart – doch der Fachkräftemangel verschärft sich

Unternehmen des Handwerks in Niedersachsen blicken zuversichtlicher ins neue Jahr: 80 Prozent bewerten ihre aktuelle Lage als gut oder zufriedenstellend. Doch unter dieser optimistischen Oberfläche brodeln weiterhin ernste Sorgen über den sich verschärfenden Fachkräftemangel.

Eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer Niedersachsen, an der rund 1.100 Betriebe teilnahmen, zeigt wachsende Rekrutierungsprobleme und Lücken in der Ausbildung auf – und das flächendeckend in der Region.

Im Januar hatte die Handwerkskammer die Antworten von etwa 1.100 Handwerksbetrieben in Niedersachsen ausgewertet. Die Ergebnisse belegen eine deutliche Verbesserung der Stimmung: Vier von fünf Unternehmen stufen ihre Situation als stabil oder positiv ein. Doch diese Zuversicht wird von anhaltenden Personalengpässen überschattet.

Mehr als die Hälfte der Befragten – 54 Prozent – nannten die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte als größte Herausforderung für die erste Jahreshälfte 2026. Das Problem könnte sich weiter zuspitzen, da die Generation der Babyboomer in Rente geht und damit erfahrene Handwerker in Schlüsselpositionen fehlen. Bereits im vergangenen Jahr konnten 40 Prozent der Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Besonders betroffen waren Gebäudereiniger, während Kfz-Betriebe für Auszubildende weiterhin attraktiver blieben.

Für die kommenden Monate rechnen viele Unternehmen mit einem weiteren Rückgang ihrer Belegschaften. Ohne ausreichend Nachwuchs in der Ausbildung drohen selbst grundlegende Handwerksdienstleistungen Verzögerungen und Engpässe. Die Lage könnte sich sogar noch schneller verschärfen, falls geplante Infrastrukturinvestitionen an Fahrt aufnehmen und die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt – die schlicht nicht verfügbar sind.

Trotz der milliardenschweren Infrastrukturförderung des Bundes haben die Handwerksbetriebe in Niedersachsen bisher kaum spürbare Entlastung erfahren. Die Mittel haben bislang wenig dazu beigetragen, den Druck auf Unternehmen zu mindern, die händeringend nach qualifiziertem Personal suchen.

Die Umfrage zeichnet ein zwiespältiges Bild für das niedersächsische Handwerk: Die Stimmung hellt sich auf, doch die Fachkräftelücke wird tiefer. Mit immer weniger jungen Menschen in der Ausbildung und erfahrenen Kräften, die in Rente gehen, drohen den Betrieben ein Kapazitätsverlust – gerade in dem Moment, in dem die Nachfrage nach ihren Leistungen steigen könnte. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen wird sich die Kluft zwischen offenen Stellen und qualifizierten Bewerbern in den kommenden Jahren weiter vergrößern.