Niedersachsens Apotheken kämpfen ums Überleben – drohen flächendeckende Schließungen?
Leopold BeerNiedersachsens Apotheken kämpfen ums Überleben – drohen flächendeckende Schließungen?
Apotheken in Niedersachsen stehen unter wachsendem Finanzdruck – ohne schnelle Reformen drohen zahlreiche Schließungen
Der Niedersächsische Apothekerverband (LAV) warnt vor den Folgen des aktuellen Entwurfs für das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Ohne dringende Änderungen drohten dem Verband zufolge Arbeitsplatzverluste und eine Verschlechterung der lokalen Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt der Debatte um die Zukunft der Branche steht nun die Forderung nach höheren Abgabegebühren für Medikamente.
Der LAV kritisiert, dass der Gesetzentwurf keine Erhöhung der Abgabegebühren vorsieht. Ohne eine Anpassung nach oben würden viele Apotheken kaum noch wirtschaftlich arbeiten können, was zu Schließungen, Stellenabbau und einer eingeschränkten Arzneimittelversorgung der Bevölkerung führen würde. Der Verband fordert eine Mindestgebühr von 9,50 Euro – die niedersächsischen Verantwortlichen plädieren jedoch für 12 Euro, um qualifizierte Arbeitsplätze zu sichern.
Apotheken sind nicht nur wichtige Säulen der Gesundheitsversorgung, sondern auch bedeutende Wirtschaftsfaktoren in den Kommunen: Durch Gewerbesteuern finanzieren sie lokale Infrastruktur und Dienstleistungen. Schließungen würden nicht nur die medizinische Versorgung einschränken, sondern auch die Haushalte der Regionen belasten. Zudem ist die Branche ein zentraler Arbeitgeber für Frauen – bundesweit sind 89,2 Prozent der Apothekenmitarbeiterinnen weiblich. Viele nutzen flexible, familienfreundliche Arbeitsmodelle, die bei Betriebsschließungen wegfallen würden.
Exakte Zahlen zu Apotheken-Schließungen im Jahr 2023 liegen bisher nicht vor, da aktuelle Berichte vor allem Krankenhausstilllegungen thematisieren. Doch der LAV betont: Ohne finanzielle Unterstützung werde sich der Negativtrend verschärfen, mit der Folge, dass immer mehr Gemeinden ohne ausreichende Gesundheitsversorgung dastehen.
Die Warnungen des Verbandes unterstreichen die Dringlichkeit politischer Weichenstellungen, um Arbeitsplätze und Dienstleistungen in Apotheken zu sichern. Höhere Abgabegebühren könnten die Branche stabilisieren – doch Verzögerungen könnten zu unwiderruflichen Schließungen führen. Die Entscheidung wird sowohl die lokale Wirtschaft als auch den Zugang der Bevölkerung zu lebenswichtigen Medikamenten direkt beeinflussen.