Neue Inflationswelle droht: Warum die Preise bis 2024 auf 4,6 Prozent steigen könnten
Winfried JunkNeue Inflationswelle droht: Warum die Preise bis 2024 auf 4,6 Prozent steigen könnten
Deutschland steht vor einer neuen Welle steigender Preise, da Spannungen im Persischen Golf die Inflationsprognosen in die Höhe treiben. Die jüngsten Schätzungen deuten auf einen deutlichen Anstieg bis Ende 2024 hin – und wecken damit Sorgen, wie sie zuletzt während der Energiekrise 2022 aufkamen. Als Reaktion hat die Bundesregierung neue finanzielle Entlastungsmaßnahmen angekündigt, um Haushalte und Unternehmen zu entlasten.
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat Befürchtungen vor einem erneuten Inflationsschub geschürt. Experten des Kölner Instituts für Wirtschaftsforschung (IW) erwarten nun, dass die Verbraucherpreise bis Dezember 2024 auf 4,6 Prozent klettern. Ihre Prognose stützt sich auf Muster aus dem Jahr 2022, als Russlands Angriff auf die Ukraine die Energiepreise explodieren ließ und die Inflation auf über 10 Prozent anstieg.
Um die Folgen abzufedern, führt die Regierung ab dem 1. Mai einen temporären Spritrabatt ein. Zudem dürfen Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine steuerfreie Sonderzahlung von bis zu 1.000 Euro gewähren. Doch Markus Demary, Geldpolitik-Experte des IW, warnt, dass diese Maßnahmen für einkommensschwache Haushalte, die am stärksten betroffen sind, möglicherweise nicht ausreichen. Er schlägt vor, zusätzlich das Entfernungspauschale für Pendler anzuheben.
Für die kommenden Jahre sagt das IW voraus, dass die Inflation auf einem erhöhten Niveau bleiben wird: Im Schnitt sollen die Preise 2026 um 3,5 Prozent steigen – deutlich mehr als die im März prognostizierten 2,7 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte wie bereits 2022 mit Zinsanpassungen gegensteuern. Demary verweist jedoch auf ein Dilemma: Eine straffere Geldpolitik birgt das Risiko, das Wirtschaftswachstum zu bremsen, während Untätigkeit die Inflation weiter anheizen könnte.
Die aktuellen Inflationsprognosen deuten auf härtere wirtschaftliche Bedingungen für Haushalte und Unternehmen in Deutschland hin. Mit dem geplanten Spritrabatt und steuerfreien Bonuszahlungen will die Regierung kurzfristig Entlastung schaffen. Langfristige Stabilität wird jedoch davon abhängen, wie die EZB den Spagat zwischen der Bekämpfung steigender Preise und der Förderung des Wirtschaftswachstums meistert.






