03 April 2026, 06:17

Mainz wird grün – doch bleibt es nur eine Farbfrage statt echter Nachhaltigkeit?

Bild eines Stadtpanoramas mit grünem Hintergrund, das Gebäude und Bäume zeigt.

Mainz wird grün – doch bleibt es nur eine Farbfrage statt echter Nachhaltigkeit?

Mainz startet ehrgeizigen Plan: Die Stadt wird grün – im wahrsten Sinne des Wortes

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Bis Ende des Jahres sollen Tausende Gebäude in Mainz im Rahmen einer 10-Millionen-Euro-Initiative in verschiedenen Grüntönen neu gestrichen werden. Die Maßnahme folgt auf jahrelange zähe Diskussionen darüber, wie die Stadt umweltfreundlicher gestaltet werden kann.

Doch das Projekt wirft bereits Fragen auf. Zwar ändern sich die Fassadenfarben, doch frühere Pläne, Betonflächen zu reduzieren und tatsächlich mehr Grünflächen zu schaffen, wurden fallen gelassen. Selbst die Einbeziehung historischer Stätten wie des Mainzer Doms bleibt ungewiss.

Hinter der Entscheidung steht ein Strategiewechsel. Jahrelang debattierten Verantwortliche über Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit – von Baumpflanzungen bis zum Rückbau von Beton. Da die Fortschritte jedoch stockten, setzt die Stadt nun auf eine schnellere, sichtbarere Lösung: den Farbanstrich.

Bis Dezember sollen Gebäude in zentralen Lagen – darunter der Mainzer Markt, das Neustadtviertel und das Staatstheater – in Grün erstrahlen. Die Kosten von 10 Millionen Euro stammen aus einem kürzlich bewilligten EU-Förderprogramm, das Hundertmillionen an Zuschüssen für städtische Begrünungsprojekte bereitstellt. Andere deutsche Städte wie Düsseldorf und Köln haben ähnliche Mittel bereits genutzt, um begrünte Fassaden und vertikale Gärten zu schaffen. Das Düsseldorfer DAFIB-Programm (seit 2016) und die Kölner Initiative "GRÜN hoch 3" gelten als Vorbild dafür, wie Ästhetik und Umweltschutz kombiniert werden können.

Der Farbanstrich ist jedoch nur ein Baustein einer umfassenderen Strategie. Künftig müssen alle Neubauten in Mainz begrünte Fassaden aufweisen, um die Stadtarchitektur mit dem neuen Farbkonzept zu verbinden. Selbst lokale Institutionen ziehen mit: Polizisten kehren zu grünen Uniformen zurück, und der Fußballverein Mainz 05 wird grüne Trikots tragen.

Doch nicht alle sind überzeugt. Aktuelle Umgestaltungen öffentlicher Räume – etwa der Vorplatz der Universität oder der Zollhafen – haben bei vielen Bürgern Enttäuschung ausgelöst. Kritiker monieren, dass grüne Fassaden kaum etwas an grundlegenden Umweltproblemen ändern. Auch das Schicksal historischer Stätten wie des Leichhofs oder des Doms bleibt unklar: Offiziell könnten sie in das Projekt einbezogen werden – müssen es aber nicht.

Die Umsetzung beginnt in den kommenden Monaten, die ersten Gebäude sollen noch vor dem Winter gestrichen werden. Die Stadt betont, der Schritt schaffe ein einheitlicheres Erscheinungsbild und erfülle die Auflagen der EU-Förderung. Ob er auch spürbare ökologische Vorteile bringt, wird sich zeigen.

Quelle