Kaltblutfestival zeigt: Warum starke Pferde die Forstwirtschaft revolutionieren
Heinz-Peter SödingPferd statt Maschine - Welche Arbeit haben Zugpferde? - Kaltblutfestival zeigt: Warum starke Pferde die Forstwirtschaft revolutionieren
Das Kaltblutfestival auf Schloss Freudenberg rückt die traditionelle Pferderückung in den Fokus. Besucher können selbst ausprobieren, wie man die kräftigen Tiere lenkt – oder sogar die Zügel in die Hand nehmen. Die Veranstaltung zeigt, dass diese imposanten Geschöpfe trotz des Siegeszugs schwerer Maschinen noch immer eine Rolle in der modernen Forstwirtschaft spielen.
Jahrhundertelang waren Kaltblütpferde unverzichtbar in Landwirtschaft und Holzfällerei. Doch mit der Mechanisierung wurden sie fast vollständig verdrängt. Der Hessische Kaltblutpferdeverband setzt sich nun dafür ein, ihren bleibenden Wert zu beweisen – besonders in sensiblen Ökosystemen.
Auf Schloss Freudenberg ziehen die Pferde gefällte Baumstämme an Ketten zu Stellen, die für Maschinen schwer zugänglich sind. Diese Methode hilft, die Gesundheit des Waldes zu erhalten, der einst in Handarbeit gepflanzt wurde. Die Arbeit ist leiser und schont den Boden im Vergleich zu schweren Fahrzeugen.
Nur etwa acht Betriebe in Hessen widmen sich heute noch vollzeitig der Pferderückung. Zwar gibt es auch in anderen Bundesländern vereinzelt Anbieter, doch nirgends ist die Dichte an spezialisierten Betrieben so hoch wie hier. Hubertus Assmann, ein ortsansässiger Pferdehalter, setzt seine Tiere noch immer zum Pflügen ein. Für ihn ist die Arbeit nicht nur effektiv, sondern auch tief befriedigend – eine Mischung aus Ruhe und Handwerkskunst.
Das IGZ (Innovationszentrum für Gespannarbeit) argumentiert, dass Pferde in Kombination mit Maschinen eine ökologischere und effizientere Alternative bieten. Ihr geringeres Gewicht verringert die Bodenverdichtung, und ihre Präzision erleichtert selektive Holzeinschläge.
Das Festival beweist: Kaltblütpferde haben auch in der modernen Forstwirtschaft ihren Platz. Dort, wo Maschinen an Grenzen stoßen – in engen oder empfindlichen Gebieten –, zeigen sie ihre Stärken. Angesichts des wachsenden Interesses an nachhaltigen Methoden könnten diese Tiere eine dauerhafte Renaissance in der Landschaftspflege erleben.