10 May 2026, 18:11

Grüne werben mit Pink und Feminismus um junge Männer – doch die Strategie polarisiert

Ein pinkfarbenes weibliches Geschlechterzeichen auf einem weißen Hintergrund.

Grüne werben mit Pink und Feminismus um junge Männer – doch die Strategie polarisiert

Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, wirbt für einen neuen Ansatz in der Geschlechterpolitik – einen, der Männer explizit mit einbezieht. Sein Appell kommt zu einer Zeit, in der sich junge männliche Wähler zunehmend rechtsextremen Parteien zuwenden, während ihre Altersgenossinnen eher linksliberale Optionen bevorzugen. Nun suchen Banaszak und andere in der Partei nach Wegen, Männer für feministische Debatten zu gewinnen, ohne die Anliegen von Frauen zu vernachlässigen.

Sein eigenes Büro, in einem kräftigen Pink gestrichen, setzt ein bewusstes Zeichen gegen traditionelle Männlichkeitsbilder. Doch nicht alle sind von seiner Strategie überzeugt.

Der Versuch, Männer stärker in geschlechterpolitische Diskussionen einzubinden, ist für die Grünen kein völlig neues Terrain. Bereits 2010 veröffentlichten 21 Parteipolitiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Darin argumentierten sie, dass starre Geschlechterrollen allen schaden – nicht nur Frauen.

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Banaszak hat diese Idee seitdem weiterentwickelt. In einem Interview mit Playboy unternahm er erstmals den Versuch, gezielt junge Männer mit feministischen Themen zu erreichen. Er betont, dass veraltete Normen Männer genauso einengen wie Frauen – und dass Männer Feminismus als etwas begreifen sollten, das auch ihnen zugutekommt. Kürzlich gestand er, Scham über Gewalt gegen Frauen und die gesellschaftlichen Bedingungen zu empfinden, die sie ermöglichen.

Zu seinen Vorschlägen gehören die Sicherung von Fördergeldern für Organisationen, die Männer unterstützen, sowie die Schaffung von Räumen innerhalb der Partei, in denen Männer über Geschlechterfragen diskutieren können. Doch der Bundesfrauenrat zeigt sich skeptisch. Die Sorge: Eine Umverteilung von Mitteln zugunsten von Männerprojekten könnte Fraueninitiativen Ressourcen entziehen.

Auch andere Grüne probieren neue Wege aus. Der Europaabgeordnete Rasmus Andresen etwa veröffentlicht Social-Media-Videos, in denen er linkspolitische Positionen mit Themen verknüpft, die bei jungen Männern beliebt sind. Das Ziel: Gemeinsamkeiten finden, statt sie zu verprellen.

Die Dringlichkeit dieser Bemühungen wurde bei der letzten Bundestagswahl deutlich. Männer unter 24 Jahren wählten mehrheitlich die rechtsextreme AfD, während Frauen derselben Altersgruppe sich für linksliberale Parteien entschieden. Diese Kluft zwingt die Grünen, ihre Kommunikation mit jungen Männern zu überdenken.

Banaszaks Inszenierung mit Pink – sowohl im Büro als auch in seiner öffentlichen Wahrnehmung – stellt Klischees infrage. Vor 20 Jahren trug der Fußballtorwart Tim Wiese die Farbe auf dem Platz, ohne dass seine Männlichkeit ernsthaft hinterfragt wurde. Heute nutzt Banaszak sie, um eine politische Botschaft zu transportieren: Männer müssen sich nicht an überholte Erwartungen anpassen.

Der Vorstoß der Grünen, Männer stärker in geschlechterpolitische Debatten einzubinden, spiegelt eine größere Sorge wider – die verschobenen politischen Loyalitäten. Die wachsende Zustimmung junger Männer zu rechtsextremen Parteien macht die Auseinandersetzung mit ihnen zur Priorität. Ob die Strategie aufgeht oder ob sie riskiert, die Aufmerksamkeit von den Bedürfnissen von Frauen abzulenken, bleibt abzuwarten.

Fürs Erste testen Banaszak und seine Mitstreiter neue Wege, um über Gleichberechtigung zu sprechen – von Social-Media-Kampagnen bis zur Neugestaltung innerparteilicher Räume. Die Debatte über Ressourcen und Schwerpunkte jedoch wird voraussichtlich weitergehen.

Quelle