15 March 2026, 10:11

Giffey besucht Rudower Apotheke – Branche kämpft um Überleben und Fachkräfte

Eine Apotheke mit Glaswänden und -türen an einer Straßenecke, mit Plakaten an den Wänden und einer Straße unten.

Giffey besucht Rudower Apotheke – Branche kämpft um Überleben und Fachkräfte

Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey besucht Rudower Apotheke – Branche in der Krise

Berlins Senatorin für Wirtschaft, Franziska Giffey (SPD), hat die Alte Kloster-Apotheke in Rudow besucht, um mit Apothekerin Katja Laurisch-Nehrkorn über die drängenden Probleme des Sektors zu sprechen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen steigende finanzielle Belastungen, verschobene Reformen und der Fachkräftemangel in den Berliner Apotheken.

Während des einstündigen Termins thematisierte Laurisch-Nehrkorn die längst überfällige Anpassung der Vergütung, die im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Die geplante Erhöhung des Apothekenhonorars auf 9,50 Euro pro Rezept wurde von der Bundesregierung jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben – begründet mit der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherungen. Diese Verzögerung verschärft eine ohnehin prekäre Situation: Seit 2013 haben fast 20 Prozent aller Apotheken in Deutschland schließen müssen, in Baden-Württemberg wirtschaftet mittlerweile fast ein Drittel mit Verlusten oder gerade noch kostendeckend.

Ein weiteres zentrales Thema war die zunehmende Direktverteilung hochpreisiger Medikamente durch Hersteller, die den Apotheken wichtige Einnahmequellen entzieht. Laurisch-Nehrkorn warnte zudem davor, dass eine Aufwertung der Aufgaben von Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) den Weg für Drogerieketten in den verschreibungspflichtigen Markt ebnen könnte. Die bescheidenen Lohnerhöhungen für PTA hätten bereits jetzt dazu geführt, dass viele den Beruf verlassen, um in besser bezahlten Branchen zu arbeiten.

Giffey erkannte die Herausforderungen an und lobte Laurisch-Nehrkorns Engagement für die lokale Gesundheitsversorgung und die Wirtschaft. Erörtert wurde auch der geplante Berliner Ausbildungsabgabe, die an die Bruttolohnsumme geknüpft ist und die Apotheken zusätzlich belasten könnte. Zwar fühlte sich Laurisch-Nehrkorn von der Senatorin gehört, betonte jedoch, dass Giffey auf Bundesebene nur begrenzten Spielraum habe. Bundesweite Proteste gegen die Apothekenreform sind für den 23. März 2026 angekündigt.

Das Treffen unterstrich die dringende Notwendigkeit verbindlicher Verhandlungsrechte, damit Apotheker ihre Gebühren selbst festlegen können. Ohne Reformen drohen die finanziellen Engpässe und der Personalmangel weiter zuzunehmen. Bis zu den geplanten Protesten im nächsten Jahr wird die Branche weiter auf Veränderungen drängen.

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