Florentina Holzinger revolutioniert Nitschs Pfingstspiele mit feministischer Provokation
Winfried JunkFlorentina Holzinger revolutioniert Nitschs Pfingstspiele mit feministischer Provokation
Österreichische Regisseurin Florentina Holzinger inszeniert ihr erstes Pfingstspiel – inspiriert von Hermann Nitschs provokantem Erbe
Die österreichische Regisseurin Florentina Holzinger hat ihr erstes Pfingstspiel auf die Bühne gebracht und sich dabei von den umstrittenen Werken Hermann Nitschs inspirieren lassen. Die Aufführung fand auf Schloss Prinzendorf statt, dem historischen Schauplatz von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater. Das Publikum wurde an den abgelegenen Ort gebracht, um einen Abend zwischen Spektakel, Provokation und einer mutigen feministischen Neudeutung zu erleben.
Der Abend begann mit einem eindrucksvollen Bild: Eine nackte Frau stieg an der Fassade des Wiener Intercontinental Hotels hinab – eine Hommage an Trisha Browns ikonische Performance Man Walking Down the Side of a Building. Damit war der Ton gesetzt für eine Vorstellung, die körperlichen Wagemut mit symbolischer Tiefe verband.
Auf dem Anwesen interpretierte Holzingers Ensemble Nitschs Rituale aus feministischer Perspektive neu. Eine „Letzte Abendmahl“-Szene parodierte das Original und eignete sich dessen Bildsprache für weibliche Emanzipation an. Die Regisseurin inszenierte zudem eine „Malaktion“, bei der eine gekreuzigte Performerin Teil eines chaotischen Tableaus wurde, über dem Drohnen summten.
Der Höhepunkt der Vorstellung war ein Monstertruck, der einen Panzer zermalmte – ein dramatischer Appell für Frieden –, während gleichzeitig ein Fallschirmspringer als Verkörperung des Heiligen Geistes vom Himmel schwebte. Den Abschluss bildete ein surrealer Moment: Holzinger und zwölf Frauen schwebten in der Luft, ihre Körper mit Haken in Schultern und Knien durchbohrt. Sanft schwingend verschmolzen Brutalität und Schönheit zu einem einzigen, beklemmenden Bild.
Holzinger behandelte Fahrzeuge, Drohnen und sogar ein Motorrad wie Erweiterungen der Körper ihrer Darsteller:innen. Materialien, die normalerweise mit Aggression oder Geschwindigkeit assoziiert werden, wurden zu Werkzeugen, um Verletzlichkeit und Transzendenz zu erkunden.
Die Aufführung markierte Holzingers erstes Engagement mit Nitschs Pfingsttradition, doch ihr Ansatz war unverkennbar eigen. Durch die Verbindung von IndustrieMaschinerie mit ritueller Schmerzperformance schuf sie ein Spektakel, das herausforderte und faszinierte. Der Abend hinterließ beim Publikum das Bild von Kunst als Konfrontation und Katharsis.






