22 February 2026, 08:14

Flaschenpost verbindet Jahrhunderte: Von Kolumbus bis zu modernen Kreuzfahrten

Eine Schwarz-Weiß-Gravur eines Bootes mit Menschen darauf, umgeben von Pflanzen und Hügeln, mit der Aufschrift "Die Reise der Reisen der britischen Inseln" unten.

Flaschenpost verbindet Jahrhunderte: Von Kolumbus bis zu modernen Kreuzfahrten

Eine Flaschenpost, die vor fast einem Jahrzehnt von einem Kreuzfahrtschiff aus ins Meer geworfen wurde, führt eine Tradition fort, die sich über Jahrhunderte erstreckt. Diese schlichte Geste verbindet moderne Reisende mit alten Seefahrern, Wissenschaftlern und sogar Spionen. Doch nicht jede Flasche brachte gute Nachrichten – manche bargen Geheimnisse, die Leben in Gefahr brachten.

Die Praxis, Botschaften in Flaschen zu versenden, begann lange vor den modernen Aufzeichnungen. Christoph Kolumbus dokumentierte 1493 den ersten bekannten Fall und nutzte die Methode, um unbekannte Gewässer zu erkunden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Technik über die Navigation hinaus und diente mitunter düsteren Zwecken wie der Spionage. Wer die falsche Flasche fand, konnte dafür mit dem Leben bezahlen.

Im 19. Jahrhundert erkannten Wissenschaftler das Potenzial treibender Flaschen. Der französische Naturforscher Bernardin de Saint-Pierre und der deutsche Lehrer Georg Ritter Balthasar von Neumayer halfen dabei, die Flaschenpost-Forschung zu einem Instrument für das Verständnis von Meeresströmungen zu machen. Zwischen 1864 und 1936 setzte das Deutsche Maritime Observatorium Tausende Flaschen für dieses Vorhaben aus. Etwa jede zehnte wurde geborgen – meist in der Nordsee, im Atlantik vor Nordeuropa oder entlang der großen Schifffahrtsrouten.

Am 23. Oktober 2015 fügten Jörg und Cornelia Wanke ihrerseits eine Flasche dieser langen Geschichte hinzu. Sie warfen sie von der Star Flyer aus ins Meer, einem stattlichen Viermast-Schoner mit 115 Metern Länge und über 3.365 Quadratmetern Segelfläche. Ihre Botschaft trieb in die Gewässer zwischen Madeira und Gran Canaria hinaus und gesellte sich zu unzähligen anderen, die in den Wellen verloren gingen – oder gefunden wurden.

Die Flasche der Wankes bleibt Teil einer beständigen maritimen Tradition. Deutsche Forscher allein schickten zwischen 1864 und 1936 etwa 5.000 Flaschen auf die Reise, um die Ozeane zu kartieren. Ob für die Wissenschaft, das Überleben oder schlicht aus Neugier – diese treibenden Botschaften verbinden die Menschen über Zeit und Entfernung hinweg.