Berlins autofreie Innenstadt scheitert – doch die Verkehrswende bleibt auf der Agenda
Heinz-Peter SödingBerlins autofreie Innenstadt scheitert – doch die Verkehrswende bleibt auf der Agenda
Vorstoß für radikale Autoreduzierung im Berliner Zentrum scheitert an mangelnder Unterstützung
Ein Vorhaben, den Autoverkehr im Berliner Stadtzentrum drastisch einzuschränken, ist gescheitert, nachdem es nicht gelungen ist, ausreichend öffentliche Rückendeckung zu mobilisieren. Die geplante Volksabstimmung zielte darauf ab, den Großteil der Privatfahrzeuge innerhalb des S-Bahn-Rings zu verbieten. Die Initiatoren verfehlten jedoch die benötigten 174.000 Unterschriften bis zum Stichtag am 8. Mai – statt dessen kamen nur 140.000 zusammen.
Die Initiative „Autofreies Berlin“ wollte die Innenstadtstraßen umgestalten, indem sie fast alle Privatwagen aus dem Bereich verbannt hätte. Nur Einsatzfahrzeuge, Taxis, Busse und kleine Elektrofahrzeuge wären laut Plan noch zugelassen gewesen. Anwohner hätten jährlich zwölf selbst gewählte Tage erhalten, an denen sie uneingeschränkt in der Sperrzone fahren dürfen.
Ausnahmen und Härtefallregelungen sollten den Übergang erleichtern. Doch die Durchsetzung eines so strengen Gesetzes hätte eine lückenlose Überwachung erfordert, um massenhafte Missachtung zu verhindern. Fast ein Viertel der Fahrzeuge innerhalb des S-Bahn-Rings ist bereits für gewerbliche Zwecke zugelassen – was pauschale Beschränkungen zusätzlich verkompliziert hätte.
Trotz des Rückschlags bleibt die Stimmung für Veränderung spürbar. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 59 Prozent der Berlinerinnen und Berliner dafür sind, Autospuren in Bus- oder Straßenbahntrassen umzuwandeln, wenn daduch der Öffentliche Nahverkehr beschleunigt wird. Weitere 67 Prozent wünschen sich strengere Parkregeln, um zu verhindern, dass große, schwere Fahrzeuge den Straßenraum dominieren.
Mit dem gescheiterten Volksbegehren bleibt Berlins Verkehrswende vorerst in der Schwebe. Zwar kam der konkrete Vorschlag nicht voran, doch der Wunsch nach weniger Autos und einem besseren ÖPNV-Angebot ist unübersehbar. Angesichts des wachsenden Drucks für nachhaltige Mobilität könnten Stadtplaner ähnliche Ideen bald wieder aufgreifen.






