Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager plötzlich tabu sind
Winfried JunkBergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager plötzlich tabu sind
Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest steht in der Kritik, nachdem die Stadt klassische Partyschlager auf eine Liste „sexistischer“ Lieder gesetzt hat. Organisatoren raten nun davon ab, Titel wie Skandal im Sperrbezirk oder Stücke von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel zu spielen. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die im vergangenen Jahr von unerwünschten Berührungen und Unbehagen über die gespielte Musik berichtete.
Die Entscheidung erfolgte nach einer offiziellen Beschwerde an die Nürnberger Nachrichten im Jahr 2023. Eine Festbesucherin schilderte, sie sei „begrapscht“ worden und habe sich durch die Songtexte unwohl gefühlt. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste „problematischer Partylieder“.
Der Erlanger Stadtrat hatte bereits 2021 beschlossen, Musik mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest zu verurteilen. Auf der diesjährigen Schwarzen Liste stehen nun bekannte Schlagerhits – was bei Künstlern und Gastwirten auf Widerstand stößt. Peter Wackel, dessen Hit Joana betroffen ist, behauptet, viele Musiker hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten, wegen der Einschränkungen.
Kritiker vergleichen das Vorgehen mit Zensur, einige Wirte hinterfragen die Notwendigkeit. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, ging noch weiter und zog Parallelen zur staatlich gelenkten Medienlandschaft der DDR. Unterdessen macht ein neuer inoffizieller Fest-Spruch die Runde: „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar“ – und sorgt unter den Besuchern für Gesprächsstoff.
Trotz der Debatte werden in diesem Jahr fast eine Million Gäste zum Bergkirchweih erwartet.
Ziel der Liste ist es, ein sicheres Umfeld für die Festbesucher zu schaffen. Doch die Reaktionen fallen gespalten aus. Künstler und Gastwirte befürchten, die Vorschriften könnten die lebendige Atmosphäre des Events beeinträchtigen. Während das Fest bereits läuft, bleibt abzuwarten, wie sich die Schwarze Liste auf die Auftritte und die Besucherzahlen auswirkt.






