18 February 2026, 04:22

Ärztemangel in Niedersachsen: Patienten fahren 80 Kilometer zum Termin

Ein altes Buch mit einer detaillierten Karte von Deutschland, die verschiedene Regionen zeigt, sowie begleitenden Text, der zusätzliche Informationen bietet.

"Bauchschmerzen" - Wie der Arztmangel in Niedersachsen frustriert - Ärztemangel in Niedersachsen: Patienten fahren 80 Kilometer zum Termin

Patienten in ländlichen Regionen Niedersachsens kämpfen um Arzttermine

In abgelegenen Gebieten Niedersachsens wird es für Patienten immer schwieriger, einen Arzt zu finden. Viele müssen mittlerweile bis zu 80 Kilometer zurücklegen, um einen Termin zu bekommen – denn Hundertschaft Haus- und Facharztstellen bleiben unbesetzt. Besonders hart trifft es Regionen wie Ostfriesland, wo die Bewohner mit langen Wartezeiten und immer weniger Behandlungsmöglichkeiten konfrontiert sind.

Der Dermatologe Bernd Brinker behandelt mittlerweile Patienten, die aus bis zu 80 Kilometern Entfernung anreisen, weil es vor Ort keine Ärzte mehr gibt. Sein Fall steht exemplarisch für eine landesweite Krise: Immer mehr Landarztpraxen müssen schließen oder nehmen keine neuen Patienten mehr auf. Der Hausarzt Holger Plochg aus Bunde versorgt inzwischen alle drei Monate rund 3.000 Patienten – das Fünffache seiner früheren Arbeitsbelastung.

Zu wenige Medizinstudienplätze verschärfen die Lage Ursache des Problems ist unter anderem der Mangel an Medizinstudenten. Für das Wintersemester 2026/2027 stellt Niedersachsen nur 876 Studienplätze bereit, verteilt auf Hannover, Göttingen und Oldenburg. Gemessen an der Einwohnerzahl ist das – abgesehen von Bremen und Brandenburg – der niedrigste Wert aller Bundesländer. Dr. Plochg warnt, dass Deutschland insgesamt 4.000 bis 5.000 zusätzliche Plätze bräuchte, um den Bedarf zu decken.

Hinzu kommt, dass junge Ärzte zunehmend Städte den ländlichen Praxen vorziehen – und die Situation weiter verschärfen. Die Landesregierung hat als Reaktion einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem eine Landarztquote und mehr Studienplätze vorsieht. Plochg schlägt vor, die medizinische Ausbildung nicht nur auf Großstadt-Unis zu beschränken, sondern auch auf mittelgroße Städte auszuweiten, um mehr Nachwuchs für unterversorgte Regionen zu gewinnen.

Keine schnelle Lösung in Sicht Der Ärztemangel in Niedersachsen lässt sich nicht kurzfristig beheben. Während Patienten auf dem Land bereits jetzt weite Fahrten und Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, sollen die neuen Maßnahmen des Landes die Ausbildungsmöglichkeiten ausbauen. Doch solange sich nicht mehr Absolventen bereit erklären, außerhalb der Städte zu arbeiten, wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage voraussichtlich bestehen bleiben.