ARD und ZDF ignorieren Wirtschaftseliten – INSM-Studie enthüllt dramatisches Ungleichgewicht
Serpil KranzARD und ZDF ignorieren Wirtschaftseliten – INSM-Studie enthüllt dramatisches Ungleichgewicht
Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sind wegen der Vernachlässigung wirtschaftspolitischer Themen in ihren Talkshows heftig in die Kritik geraten. Wie aus einem Bericht der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) aus dem Jahr 2025 hervorgeht, widmeten sich nur noch 20 Prozent der Sendungen der Wirtschaftspolitik – ein Rückgang gegenüber 33 Prozent im Jahr 2023. Die INSM warf den Sendern vor, in einer Phase des wirtschaftlichen Abschwungs Unternehmerstimmen in zentralen Debatten systematisch auszuschließen.
Die Analyse der INSM deckte ein deutliches Ungleichgewicht bei der Gästeauswahl auf: Politiker dominierten mit 41 Prozent, gefolgt von Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent). Unternehmer waren lediglich mit 5 Prozent vertreten, Vertreter der Industrie sogar nur mit 2 Prozent. In fast einem Drittel der Sendungen mit wirtschaftlichem Bezug kam überhaupt keine Stimme aus der Wirtschaft zu Wort.
Unter den untersuchten Formaten schnitt hart aber fair am besten ab: 39 Prozent der Ausgaben behandelten wirtschaftliche Themen, und regelmäßig wurden Vertreter aus der Wirtschaft eingeladen. Am schlechtesten performte Maischberger – in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen fehlte jede unternehmerische Perspektive.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kritisierte, die Sender kämen ihrer öffentlichen Aufgabe nicht nach. Eine fundierte Wirtschaftsdiskussion erfordere praxisnahe Einblicke – nicht nur die Sicht von Akademikern oder Politikern. Die Vorwürfe zeigten Wirkung: ARD startete im September 2025 die Initiative Wirtschaftsrat, um den Expertenpool zu erweitern, während ZDF ab Januar 2026 eine 30-Prozent-Quote für nicht-akademische Praktiker in Talkshows einführte. Beide Sender verschärften zudem die Inklusionsrichtlinien für Formate wie Maischberger und das heute-journal und führen seitdem jährliche Berichte über die Repräsentationsquote.
Die Reformen erfolgten nach wachsendem Druck, das Ungleichgewicht zu beheben. Alsleben hatte wiederholt eine stärkere Einbindung von Wirtschaftsvertretern gefordert und gewarnt, dass das Ignorieren ihrer Expertise die öffentliche Debatte über wirtschaftliche Herausforderungen verfälsche.
Mittlerweile haben die Sender Maßnahmen ergriffen, um die Präsenz von Wirtschaftsvertretern zu erhöhen – etwa durch neue Expertenrunden und verbindliche Quoten. Die Jahresberichte 2025/2026 werden die Fortschritte bei der Umsetzung dokumentieren. Ziel ist es, dass wirtschaftliche Diskussionen künftig ein breiteres Meinungsspektrum abbilden.






