AfD zerrissen: Machtkampf um Außenpolitik spaltet die Partei bis ins Mark
Leopold BeerAfD zerrissen: Machtkampf um Außenpolitik spaltet die Partei bis ins Mark
Ein erbitterter innerparteilicher Streit über die Außenpolitik reißt die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) auseinander. Die Partei, seit Langem gespalten zwischen westlich orientierten und prorussischen Flügeln, sieht sich nun mit einer Vertiefung der Gräben über ihre Haltung zu den USA und der NATO konfrontiert. Aktuelle Auseinandersetzungen haben die Spannungen zwischen Führungskräften und Mitgliedern offenbart – mit Vorwürfen des Extremismus und Versuchen, abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Der Konflikt eskalierte, nachdem der Parteivorsitzende Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland gefordert und sogar einen Austritt aus der NATO ins Spiel gebracht hatte. Dieser Vorstoß, der im April 2026 kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen bekannt wurde, steht in direktem Widerspruch zur früheren Ausrichtung der Partei an der Linie von Donald Trump. Gleichzeitig verfasste der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck während der Iran-Krise eine proamerikanische Erklärung – doch die Parteiführung blockierte deren Veröffentlichung.
Die Spaltungen gehen jedoch weit über die Außenpolitik hinaus. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah widersprach öffentlich Chrupallas antiamerikanischer Haltung und betonte, Deutschland brauche "starke Partner". Später warnte er, die harte Linie der Partei in Fragen von eingebürgerten Migranten, dem Bündnis mit den USA und der Russlandpolitik mache eine Regierungsbeteiligung unmöglich. Seine Kritik richtete sich auch gegen den sogenannten cordon sanitaire – die politische Quarantäne, die andere Parteien gegen die AfD verhängt haben und die er auf den eigenen Extremismus der Partei zurückführte.
Ein weiterer Zündstoff ist Martin Sellners umstrittenes "Remigrations"-Konzept, das weithin als verfassungswidrig und Verletzung der Menschenwürde verurteilt wird. Die Parteispitzen Chrupalla und Alice Weidel haben sich bis heute nicht glaubwürdig von Sellner distanziert, was die Debatte anheizt, ob die AfD selbst gegen verfassungsrechtliche Grundsätze verstößt. Auch Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher, geriet ins Visier, nachdem er Russland als größte Bedrohung für die östliche NATO-Flanke bezeichnet hatte. Er warf dem prorussischen Flügel um Björn Höcke vor, ihn aus seinem Amt drängen zu wollen.
Die wechselnden Bündnisse der AfD – von anfänglicher Russland-Sympathie bis zur kurzzeitigen Annäherung an die USA unter Trump – haben die Partei zerrissen. Während der interne Machtkampf eskaliert, bleibt ihre künftige Ausrichtung ungewiss, mit Hardlinern und Gemäßigteren im Ringen um die Vorherrschaft.
Die innerparteilichen Konflikte der AfD haben unvereinbare Gegensätze in Fragen der deutschen Bündnispolitik und Innenpolitik offenbart. Mit führenden Köpfen in Opposition zueinander und wachsenden Extremismusvorwürfen steht die Fähigkeit der Partei, geschlossen aufzutreten, infrage. Das Ergebnis dieses Streits könnte nicht nur die politische Zukunft der AfD prägen, sondern auch ihr Verhältnis zu den etablierten Parteien in Deutschland.






