Wirtschaftselite fordert radikale Reformen – sonst droht Deutschlands Niedergang
Winfried JunkWirtschaftselite fordert radikale Reformen – sonst droht Deutschlands Niedergang
Spitzenvertreter der Wirtschaft haben auf der diesjährigen Hannover Messe die deutsche Regierung zu umfassenden Reformen gedrängt. Vertreter zentraler Branchen warnten, dass Verzögerungen bei politischen Kurskorrekturen dem Standort nachhaltigen Schaden zufügen könnten. Ihre Appelle erfolgten vor dem Hintergrund von Prognosen, die auf eine fragile Erholung im Jahr 2026 hindeuten.
Bis Ende 2025 hatte sich die Stimmung in der Wirtschaft langsam verbessert. Doch zu Beginn des neuen Jahres trübte sich die Lage erneut ein – bedingt durch anhaltende Risiken. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) rechnet nun mit einem Produktionsplus von zwei Prozent für 2026 – vorausgesetzt, die Lage im Iran stabilisiert sich bis Mitte des Jahres.
Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sagt einen leichten Aufschwung voraus: Die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau soll um ein Prozent wachsen. VDMA-Präsident Bertram Kawlath betonte jedoch, dass kosmetische Korrekturen nicht mehr ausreichten. Gefordert seien niedrigere Unternehmenssteuern, eine Deckelung der Sozialabgaben, flexiblere Arbeitszeiten sowie eine Anhebung des Renteneintrittsalters.
Gunther Kegel, Chef des ZVEI, unterstützte diese Forderungen und pochte darauf, den Reformstau jetzt anzugehen. Kawlath ging noch einen Schritt weiter: Ohne entschlossenes Handeln aus Berlin und Brüssel drohten der Industrie dauerhafte Schäden, warnte er.
Ein möglicher Lichtblick ist die Rüstungsbranche. Geplante Milliardeninvestitionen könnten die umsatzrelevanten Defence-Aktivitäten von Maschinenbauzulieferern innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln. Zwar stellen diese Unternehmen keine Waffen her, doch sie spielen eine Schlüsselrolle bei der Hochskalierung der Produktion.
Ob die Branche 2026 tatsächlich an Fahrt aufnimmt, bleibt ungewiss – entscheidend sind politische Weichenstellungen und die globale Stabilität. Die Wirtschaftselite hat klar gemacht: Ohne rasche Reformen droht dem Industriestandort Deutschland ein langfristiger Niedergang. Ihre Warnungen fallen in eine Phase, in der Rüstungsinvestitionen eine der wenigen Wachstumschancen der kommenden Jahre bieten.






