05 April 2026, 02:12

"Selfie-Journalismus": Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer gewinnen wollen

Schwarze und weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile "Weitpreubliche Zeitung" und einem Foto von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung beim Feiern.

"Selfie-Journalismus": Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer gewinnen wollen

Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF experimentieren mit neuen Reportageformaten, um jüngere Zuschauer zu gewinnen. Formate wie VOLLBILD, exactly oder PULS Reportage rücken die Reporterinnen und Reporter selbst in den Mittelpunkt – eine Mischung aus persönlicher Erfahrung und Journalismus. Während dieser Ansatz vor allem bei social-media-affinen Zielgruppen Anklang findet, bleibt unklar, ob er langfristig überzeugt und inhaltliche Tiefe bietet.

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Die fünf untersuchten Formate – VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage – brechen mit klassischen journalistischen Konventionen. Statt distanzierter Berichterstattung setzen sie auf Ich-Perspektiven, emotionale Erzählweisen und die subjektive Sicht der Reporter als zentrale Quelle. Für jüngere Zuschauer, die personalisierte Online-Medien gewohnt sind, wirkt das authentischer und vertrauenswürdiger.

Doch der Stil birgt Risiken: Dominiert die Reporter-Stimme zu sehr, droht das eigentliche Thema in den Hintergrund zu rücken – Kritiker sprechen von "Selfie-Journalismus". Einige Formate wiederholen zudem Themen und Blickwinkel, ohne die investigative Tiefe und den Kontext zu liefern, die seriösen Journalismus ausmachen. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer die Flut ähnlicher "Ich-zentrierter" Geschichten langsam überdrüssig wird.

Trotz der Bedenken wird sich der Trend kaum umkehren lassen. Die Sender stehen nun vor der Herausforderung, Authentizität und persönliche Nähe mit journalistischer Sorgfalt zu verbinden. Gelingt dieser Spagat nicht, könnten selbst die unterhaltsamsten Formate auf Dauer an Relevanz verlieren.

Bisher fehlen belastbare Daten, wie die neuen Formate in Reichweite oder Zuschauerzahlen mit etablierten Jugendangeboten wie funk oder Y-Kollektiv mithalten können.

Die Zunahme persönlicher Reportagen bietet öffentlich-rechtlichen Sendern eine Brücke zu jüngeren Zielgruppen. Doch ob das Format Zukunft hat, hängt davon ab, ob es über reine Selbstinszenierung hinauswächst – hin zu vielfältigeren, tiefgründigeren Erzählungen. Bis dahin bleibt das Experiment in vollem Gange – mit Sendern und Zuschauern gleichermaßen als aufmerksame Beobachter.

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