Reichelt-Prozess zieht sich bis 2026 – NDR kämpft um zensierten ARD-Bericht
Winfried JunkReichelt-Prozess zieht sich bis 2026 – NDR kämpft um zensierten ARD-Bericht
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird sich voraussichtlich mindestens bis 2026 hinziehen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) treibt nun ein vollständiges Gerichtsverfahren voran, um die zensierten Passagen eines Berichts aus dem Jahr 2023 wiederherzustellen, in dem Reichelt vorgeworfen wird, seine Position missbraucht zu haben. Der Fall, der erstmals 2022 bekannt wurde, bleibt weiterhin ungeklärt, während Gerichte die Vorwürfe wegen Fehlverhaltens am Arbeitsplatz prüfen.
Die Kontroverse begann 2022, als Der Spiegel erstmals über angebliche Affären Reichelts mit Untergebenen berichtete. Es blieb jedoch unklar, ob er Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt hatte, da keine eindeutigen Schlussfolgerungen gezogen wurden. Ein Jahr später strahlte die ARD im Februar 2023 in der Sendung Reschke Fernsehen einen Beitrag aus, der Machtmissbrauch bei Bild thematisierte. Reichelt reagierte mit einer einstweiligen Verfügung und erzwang so die Streichung zentraler Abschnitte der Reportage.
Die zensierte Sendung ist mittlerweile nicht mehr in der ARD-Mediathek abrufbar, da sie nach der üblichen zweijährigen Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Nun geht der NDR rechtlich in die Offensive und beantragt ein vollständiges Verfahren. Ziel des Senders ist es, die Wahrheit der ursprünglichen Vorwürfe zu belegen und die gelöschten Teile des Berichts wiederherzustellen.
Im Rahmen des Prozesses will der NDR Zeugen vernehmen, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt. Eine öffentliche Überprüfung dieser Aussagen könnte für den Verlag Axel Springer, hinter dem Bild steht, unangenehme Folgen haben. Einige der Frauen, die sich während der internen Ermittlungen des Unternehmens geäußert hatten, sollen berufliche Nachteile erlitten haben.
Reichelt bestreitet seit Beginn alle Vorwürfe und betont, niemals Frauen zu Beziehungen gedrängt zu haben. Doch angesichts der bekannten Gründlichkeit des deutschen Justizsystems wird sich der Fall weiter in die Länge ziehen. Ein endgültiges Urteil wird nicht vor dem Frühjahr 2026 erwartet.
Der juristische Streit wird sich somit bis 2026 erstrecken, wobei der NDR entschlossen ist, den zensierten Bericht wiederherzustellen und seine Behauptungen zu untermauern. Sollten die Zeugenaussagen vor Gericht verhandelt werden, könnte dies die Art und Weise, wie Axel Springer mit dem Fall umgegangen ist, erneut in den Fokus rücken. Die Entscheidung wird zeigen, ob die ursprünglichen Vorwürfe gegen Reichelt Bestand haben – oder weiterhin ungeklärt bleiben.






