Mindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt brechen um über 50 Prozent ein
Serpil KranzMindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt brechen um über 50 Prozent ein
Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark eingebrochen
In Sachsen-Anhalt hat die Durchsetzung von Mindestlöhnen in den vergangenen drei Jahren dramatisch nachgelassen. Neue Zahlen zeigen, dass die Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind. Gleichzeitig verdient ein beträchtlicher Teil der Beschäftigten weiterhin weniger als 15 Euro pro Stunde – trotz der gesetzlichen Mindestlohnregelungen in Deutschland.
Die Zahl der Betriebsprüfungen in Sachsen-Anhalt ist von 1.598 im Jahr 2022 auf nur noch 691 im Jahr 2025 gesunken. Diese Entwicklung bedeutet, dass ein Unternehmen statistisch gesehen nur noch alle 90 Jahre mit einer Kontrolle rechnen muss. In der Landwirtschaft ist die Lage noch prekärer: Hier wird ein Betrieb im Schnitt nur alle 234 Jahre überprüft.
Insgesamt liegt das Kontrollniveau bei lediglich 42,4 Prozent des Standes von vor drei Jahren. Der linke Landtagsabgeordnete David Schliesing spricht von einer "Vollzugsblindheit" und macht massive Personalengpässe beim Zoll dafür verantwortlich. Er fordert spezielle Staatsanwälte zur Ahndung von Lohnverstößen sowie dringend Verstärkung für die Prüfteams.
Trotz des gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 13,90 Euro – der bis 2027 auf 14,60 Euro steigen soll – ist Niedriglohn in Sachsen-Anhalt weit verbreitet. 23,3 Prozent aller Beschäftigten verdienen weniger als 15 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es sogar 35 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Unternehmen in der Region von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025 gesunken.
Der drastische Rückgang der Kontrollen lässt viele Arbeitnehmer:innen ohne Schutz vor Lohnbetrug zurück. Angesichts seltenerer Überprüfungen und anhaltend niedriger Löhne werden die Forderungen nach schärferen Kontrollen und mehr Personal immer lauter. Die Situation zeigt die anhaltenden Herausforderungen bei der Einhaltung von Arbeitsstandards in der Region.






