21 March 2026, 08:12

Haus der Weltkulturen am Abgrund: Künstlerboykott erschüttert Berliner Kultureinrichtung

Schwarzes und weißes architectural drawing of the Reichshallen Theater in Berlin, showing the auditorium with rows of chairs, pillars, and ceiling, with text at the bottom.

Haus der Weltkulturen am Abgrund: Künstlerboykott erschüttert Berliner Kultureinrichtung

Haus der Weltkulturen in Berlin steckt in tiefer Krise nach Künstlerboykott und politischem Streit

Das Berliner Haus der Weltkulturen (HKW) sieht sich einer eskalierenden Krise gegenüber, nachdem eine Welle von Künstlerboykotten und politische Kontroversen die Institution erschüttert haben. Die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket – ausgelöst durch sein Tragen eines "Palästina"-T-Shirts am Jahrestag eines Hamas-Angriffs – hat landesweite Empörung ausgelöst. In Solidarität verweigern deutsche Künstler nun Auftritte im HKW, was die Einrichtung zunehmend isoliert.

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Der Konflikt begann, als der schwäbische Rapper Chefket, ehemaliger "Rap-Botschafter" des Goethe-Instituts, für einen Auftritt im HKW gebucht war. Kultusminister Wolfram Weimer griff ein und setzte die Absage der Veranstaltung durch. Ausschlaggebend war Kritik an Chefkets Kleidung: Ein T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisszeichnung Israels, das er während eines Auftritts zum Jahrestag des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 trug.

Als Reaktion sagten sämtliche deutschen Künstler, die im HKW gebucht waren, ihre Auftritte ab. Der Boykott verschärft die ohnehin angespannte Lage unter der Leitung von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, einem kamerunischen Kurator, der 2023 berufen wurde. Sein "postkoloniales" Programm stößt in Teilen des deutschen Kulturbetriebs auf Widerstand und belastet den Ruf des HKW zusätzlich.

Die Folgen des Streits reichen über das HKW hinaus: Das Goethe-Institut muss sich nun 2026 einer Überprüfung seiner Fördermittel stellen – ausgelöst durch die Handhabung des Chefket-Auftritts. Versuche, das Interesse am HKW wiederzubeleben, etwa durch die satirische Ausstellung Die Möglichkeit der Unvernunft von Jan Böhmermann, blieben bisher wirkungslos. Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts wird die Einrichtung von der Bundespolitik weitgehend ignoriert.

International findet im HKW zwar weiterhin Programm statt, etwa ein kürzliches Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch der Schaden für seine globale Bedeutung ist offenkundig. Kritiker werfen der deutschen Kulturpolitik vor, sie werde zunehmend von Antisemitismusvorwürfen und politischem Druck geprägt – statt von künstlerischer Freiheit.

Die Kontroverse um Chefket hat das HKW an den Rand des Abgrunds gebracht. Ohne deutsche Künstler, die bereit sind aufzutreten, und mit zunehmender Prüfung durch den Bund steht die Zukunft der Institution auf dem Spiel. Die Debatte um die Absage wirft zudem grundsätzliche Fragen auf: Wie viel Zensur verträgt die Kultur? Wo endet politischer Einfluss – und wo beginnt die Grenze kultureller Diplomatie in Deutschland?

Quelle