16 March 2026, 20:13

Grimme-Preis 2024 für Judith Scheytt nach Antisemitismus-Vorwürfen aberkannt

Ein orangefarbener Hintergrund mit einem weißen Kreis mit schwarzem Rand und einem schwarzen Buchstaben 'b' in der Mitte, darunter der Text 'b grimm seit 1878' in fetter, schwarzer Schrift zentriert.

Kritik am Grimme-Preis: 'Unzivilisierte' Autoren geben Preis zurück - Grimme-Preis 2024 für Judith Scheytt nach Antisemitismus-Vorwürfen aberkannt

Der Adolf-Grimme-Preis 2024, der an die Journalistin Judith Scheytt vergeben worden war, wurde wieder entzogen. Die Entscheidung folgte auf Kritik an ihren Äußerungen, denen vorgeworfen wurde, terroristische Gewalt zu verharmlosen und antisemitische Erzählungen zu befördern. Scheytt wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die der Rücknahme zugrundeliegende Analyse als unwissenschaftlich und fehlerhaft.

Die Kontroverse hat eine breitere Debatte über die Glaubwürdigkeit des Preises und das Auswahlverfahren ausgelöst.

Die aberkannte Auszeichnung war ursprünglich von der Gesellschaft der Freunde des Adolf-Grimme-Preises verliehen worden, einem unabhängigen Gremium, das nicht zum Grimme-Institut gehört. Die Vereinigung ehrt medienkritische Arbeiten; Scheytt erhielt sie für ihr Engagement mit der deutschen Berichterstattung über den Nahen Osten.

Kritiker warfen ihr vor, in ihrer Arbeit Sprache zu verwenden, die terroristische Gewalt bagatellisiere und damit antisemitische Erzählmuster stärke. Scheytt lehnte die Anschuldigungen entschieden ab. Die Bewertung der Gesellschaft nannte sie methodisch schwach und ohne wissenschaftliche Fundierung.

Der Streit zieht Parallelen zu früheren Kontroversen, etwa der Aberkennung von Preisen an den Kabarettisten Dieter Nuhr oder den Debatten um die Auswahl des Deutschen Filmpreises und der Bambi-Verleihung. Çiğdem Uzunoğlu, Direktorin des Grimme-Instituts, betonte unterdessen, dass Institut und Vereinigung unabhängig voneinander agieren. Sie fügte hinzu, das Institut respektiere die Autonomie der Jury und könne nicht in deren Entscheidungen eingreifen.

Weitere Folgen hatte der Konflikt, als die Autoren Bilal Bahadır und Çağdaş Yüksel, Preisträger des Grimme-Preises 2023 für ihren Dokumentarfilm Uncivilized, ihre Auszeichnungen zurückgaben. Sie warfen dem Grimme-Institut und Uzunoğlu vor, während der Auseinandersetzung geschwiegen und damit den Ruf der Institution beschädigt zu haben. Die Vereinigung hingegen bleibt eigenständig – mit eigenem Vorstand und eigener Jury, unabhängig vom Institut.

Die Rücknahme von Scheytts Preis unterstreicht die anhaltenden Spannungen um Medienethik und Transparenz bei Auszeichnungen. Der Streit hat zu öffentlicher Kritik am Auswahlverfahren des Grimme-Preises geführt und mindestens zwei frühere Preisträger dazu veranlasst, ihre Ehrungen zurückzugeben. Zwischen der Vereinigung und dem Institut besteht weiterhin keine direkte Aufsicht – sie bleiben rechtlich und organisatorisch getrennt.

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