Gericht erlaubt "veganes Leder" – ein Sieg für tierfreie Mode und Nachhaltigkeit
Heinz-Peter SödingGericht erlaubt "veganes Leder" – ein Sieg für tierfreie Mode und Nachhaltigkeit
Ein deutsches Gericht hat eine Klage gegen den veganen Taschenhersteller Nuuwai abgewiesen und entschieden, dass Begriffe wie "veganes Leder" oder "Apfelleder" nicht irreführend sind. Das Urteil beendet einen langjährigen Rechtsstreit mit dem Verband der Deutschen Lederindustrie und markiert einen Wandel in der Vermarktung pflanzlicher Materialien. Branchenexperten zufolge könnte dies den Rückgang herkömmlichen Leders zugunsten tierleidfreier Alternativen beschleunigen.
Der Fall begann, als der Verband der Deutschen Lederindustrie gegen Nuuwai klagte mit der Begründung, der Begriff "veganes Leder" führe Verbraucher in die Irre, indem er den Eindruck erwecke, es handele sich um echtes Leder. Das Gericht wies diesen Vorwurf zurück und fand keine Hinweise darauf, dass Käufer tierisches Leder mit pflanzlichen Varianten verwechseln würden. Die Richter urteilten zudem, dass die Marketingbegriffe weder täuschend noch wettbewerbswidrig seien.
Das Urteil kehrt eine Entscheidung des Landgerichts Hannover aus dem Jahr 2023 um, das den Begriff "veganes Leder" verboten hatte – es sei denn, die Produkte ahmen explizit herkömmliches Leder nach. Seither hatten Marken wie Stella McCartney auf Formulierungen wie "pflanzliches Leder" oder "veganes Material" ausgewichen, was laut Berichten der EUIPO und von FashionUnited bis 2026 zu einem Rückgang des Begriffs "veganes Leder" in der europäischen Werbung um 70 Prozent führte.
Die Tierrechtsorganisation PETA begrüßte das Urteil und verwies auf die ökologischen und ethischen Probleme der klassischen Lederproduktion. Jährlich werden über 1,3 Milliarden Rinder, Ziegen und Schafe für ihre Häute geschlachtet, während die Herstellungsprozesse oft Arbeiter gefährden und Ökosysteme belasten. PETA forderte zudem Verlage auf, die Definition von "Leder" in Wörterbüchern zu erweitern, um moderne, nicht-tierische Materialien einzuschließen.
Der globale Markt für veganes Leder – hergestellt aus Ananasfasern, Pilzen oder im Labor gezüchtetem Kollagen – soll bis 2025 ein Volumen von über 85 Milliarden US-Dollar erreichen. Mode labels, Automobilhersteller und Möbelproduzenten setzen zunehmend auf diese Alternativen, getrieben von der Nachfrage nach nachhaltigen und tierleidfreien Produkten.
Mit dem Urteil fällt eine zentrale rechtliche Hürde für Unternehmen weg, die Begriffe wie "veganes Leder" verwenden. Angesichts des rasant wachsenden Marktes für pflanzliche Materialien dürfte die Entscheidung weitere Marken ermutigen, solche Bezeichnungen zu übernehmen. Traditionelle Lederhersteller könnten nun mit stärkerer Konkurrenz konfrontiert sein, während ethische Alternativen zunehmend gesellschaftliche Akzeptanz finden.