27 April 2026, 12:17

Fünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Anette W. kämpft um Gerechtigkeit

Ein Blatt Papier mit einer Zeichnung eines besorgten Mannes, der zwei weinende Kinder hält, begleitet von handgeschriebenem Text, der ihren emotionalen Zustand beschreibt.

Fünf Monate Zwangshaft ohne Urteil: Anette W. kämpft um Gerechtigkeit

Anette W. nach fünf Monaten Zwangshaft aus Haftanstalt Hildesheim entlassen

Anette W. wurde am Freitag aus der Frauenhaftanstalt Hildesheim entlassen, nachdem sie fünf Monate lang in Zwangshaft gesessen hatte. Sie war im November 2025 in Frankfurt festgenommen worden – obwohl sie nie wegen einer Straftat verurteilt wurde. Ihr Fall wirft Fragen zum Einsatz von Haftmaßnahmen in familienrechtlichen Streitigkeiten auf.

Anette W. war 2023 mit ihrer Tochter von Hannover nach Frankfurt gezogen. Sie hatte versucht, das Sorgerecht gerichtlich zu klären, stieß dabei jedoch auf anhaltende Schwierigkeiten. Im November 2025 wurde sie festgenommen und zunächst in eine Polizeizelle gebracht, bevor sie in die Haftanstalt Hildesheim verlegt wurde.

Die Inhaftierung erfolgte, nachdem ihr vorgeworfen worden war, ihre Tochter nicht an den Vater des Kindes herausgegeben zu haben. Anette W. betont, sie habe ihm die Möglichkeit angeboten, das Mädchen abzuholen – dennoch ordnete das Gericht ihre Haft an. Ein persönliches Anhörungsrecht wurde ihr vor der Entscheidung nicht gewährt, zudem traf das Gericht falsche Aussagen zum Wohl ihrer Tochter.

Während ihrer Zeit in der Haftanstalt Hildesheim herrschten prekäre Bedingungen: chronischer Personalmangel, Schimmel an den Wänden und kein Zugang zu Arbeit oder Beschäftigungsmöglichkeiten. Nach ihrer Entlassung traf Anette W. mit dem Jugendamt zusammen, das entschied, dass ihre Tochter bei ihr bleiben solle.

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Die Erfahrung hat sie obdachlos zurückgelassen und mit der Frage, wie sie gegen das Geschehene vorgehen kann. Mittlerweile unterstützt sie Forderungen nach der Abschaffung von Zwangshaft in Familienstreitigkeiten und bezeichnet diese als willkürlich und ungerecht.

Anette W. verbrachte 150 Tage in Haft – ohne strafrechtliche Verurteilung. Ihr Fall zeigt die Folgen zwangsweiser Maßnahmen in familiären Konflikten auf. Nun steht sie vor der Aufgabe, ihr Leben wieder aufzubauen, während sie sich für eine Reform des Systems einsetzt, das sie inhaftierte.

Quelle