Florentina Holzingers Sancta kehrt mit radikaler Frauenperspektive nach Stuttgart zurück
Heinz-Peter SödingFlorentina Holzingers Sancta kehrt mit radikaler Frauenperspektive nach Stuttgart zurück
Florentina Holzingers provokante Oper Sancta kehrt im Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Inszenierung, dirigiert von der schwedischen Maestrina Marit Strindlund, hat bereits mit ihrer kühnen Neudeutung religiöser Themen und intensiven Bildsprache Aufsehen erregt.
Holzingers Sancta ist eine direkte Antwort auf Paul Hindemiths Sancta Susanna, ein 1921 wegen angeblicher Blasphemie verbotenes Werk. Diesmal stehen Frauen im Mittelpunkt und beanspruchen ihren Platz in der christlichen Geschichte zurück – durch eindringliche, oft konfrontative Bilder. Die Uraufführung war so überwältigend, dass 18 Zuschauer:innen wegen Schock oder psychischer Belastung ärztlich behandelt werden mussten.
Strindlund, die von Intendant Viktor Schoner eingeladen wurde, lernte Holzingers grenzüberschreitenden Stil erstmals in Ophelia's Got Talent (2022) kennen. Die Berliner Produktion verband Wassersymbolik, körperliche Exploration und eine Kritik am Konflikt zwischen Technologie und Natur – Motive, die auch in Sancta wiederkehren. Für Strindlund verkörpert Holzingers Ansatz eine völlig neue Form der Bühnenkunst: eine, die aufklärt, provoziert, unterhält und zur Debatte zwingt.
Die Anpassung an Holzingers unkonventionelle Methoden war eine Herausforderung. Die Dirigentin musste sich auf ungewöhnliche Visuals, expressive Anforderungen und einen Arbeitsprozess einlassen, der mit traditioneller Oper wenig gemein hat. Herausgekommen ist ein Werk, das sich jeder einfachen Einordnung entzieht – eine Verschmelzung von Performancekunst und opernativer Tradition.
Sancta wird am 3., 4. und 5. Oktober an der Staatsoper Stuttgart aufgeführt, mit zwei weiteren Vorstellungen am 1. und 2. November. Für die Oktober-Termine sind noch Karten verfügbar, die November-Aufführungen sind bereits ausverkauft.
Die Rückkehr der Produktion folgt auf eine Uraufführung, die künstlerisch wie physisch Spuren hinterlassen hat. Indem Sancta weibliche Perspektiven in den Vordergrund stellt und extreme Bilder einsetzt, zwingt das Stück das Publikum, sich mit lange verdrängten Erzählungen auseinanderzusetzen. Wer die verbleibenden Oktober-Vorstellungen besucht, darf ein Erlebnis erwarten, das intellektuell ebenso anregend wie visuell kompromisslos ist.






