Ein umstrittenes Ballett ehrt Rudolf Nurejew – zwischen Ruhm und Verbot
Serpil KranzEin umstrittenes Ballett ehrt Rudolf Nurejew – zwischen Ruhm und Verbot
Ein Ballett zu Ehren Rudolf Nurejews – eines der größten Tänzertalente des 20. Jahrhunderts – wird sowohl gefeiert als auch umstritten diskutiert. Die 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführte Produktion zeichnet sein außergewöhnliches Leben nach: von der sowjetischen Ausbildung über den Aufstand gegen das System bis hin zum weltweiten Ruhm. Später wurde das Stück in Russland wegen seiner LGBTQ+-Thematik verboten.
Nurejew, 1938 geboren, durchlief seine Ausbildung an der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad. 1961 floh er aus der Sowjetunion, um politischer Unterdrückung und gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen. Im Westen wurde er zum Star – offen schwul lebend und als Partner von Margot Fonteyn am Royal Ballet in London gefeiert.
Das Ballett Nurejew hatte 2017 Premiere, choreografiert von Juri Possochow, einem in den USA lebenden Künstler ukrainischer Herkunft. Regisseur Kirill Serebrennikow konnte der Moskauer Erstaufführung wegen Hausarrests nicht beiwohnen; später wurde er wegen Untreue verurteilt. Die Bühnenbilder zeigen symbolträchtige Objekte: männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und Nurejews mit Goldfäden bestickte Kostüme.
Kritiker bemängelten die ungleichmäßige Dramaturgie der Inszenierung. Während der erste Akt Nurejews frühe Kämpfe und Triumphe lebendig erzählt, verliert der zweite Akt trotz kraftvoller Soli und großer Ensembleszenen an Schwung. 2023 verbot die russische Regierung das Werk wegen seiner LGBTQ+-Inhalte. Nurejew starb 1993 in Paris an den Folgen von Aids; zwei Jahre später wurde sein Nachlass versteigert.
Nurejew bleibt ein mutiges Denkmal für einen Tänzer, der Grenzen sprengte. Das Verbot in Russland unterstreicht die anhaltenden Spannungen um künstlerische Freiheit und LGBTQ+-Repräsentation. International wird die Produktion weiterhin aufgeführt und hält so Nurejews Erbe lebendig.






