Daniel Ris verlässt die Neue Bühne Senftenberg nach strukturellen Theaterreformen
Serpil KranzDaniel Ris verlässt die Neue Bühne Senftenberg nach strukturellen Theaterreformen
Daniel Ris, künstlerischer Leiter der Neuen Bühne Senftenberg, verlässt sein Amt nach Vertragsende im März 2023
Der künstlerische Leiter der Neuen Bühne Senftenberg, Daniel Ris, wird sein Amt aufgeben, nachdem sein Vertrag im März 2023 nicht verlängert wurde. Sein Abschied folgt auf Jahre erfolgreicher Programmgestaltung, darunter mutige Saisoneröffnungen, die das Profil des Theaters deutlich stärkten. Trotz Anerkennung für seine künstlerische Arbeit führten strukturelle Reformen und finanzielle Zwänge letztlich zu seinem Ausscheiden.
Die Entscheidung fällt im Vorfeld geplanter Veränderungen im Jahr 2026, wenn Stadt und Landkreis die Theaterleitung mit Aufgaben der Kulturverwaltung zusammenlegen wollen. Ris selbst zeigt sich zwar frustriert, bleibt jedoch auf seine vierte und letzte Spielzeit konzentriert – und sucht gleichzeitig nach neuen beruflichen Perspektiven.
Ein Visionär mit Erfolg – doch ohne Zukunft in Senftenberg
Ris hatte die Neue Bühne Senftenberg mit dem Ziel übernommen, das Theater in der Region sichtbarer zu machen. Seine aufsehenerregenden Saisoneröffnungen an historischen Stätten lockten größere Zuschauerzahlen an und steigerten die Eigenmittel des Hauses. Ein Höhepunkt war im September die Veranstaltung in der Niederlausitz-Halle, die ein unterhaltsames Programm mit einer Debatte über die Sportkultur in der DDR verband. Die Aufführung karikierte militärische Trainingsmethoden der DDR, spielte auf Dopingskandale an und hinterfragte die bedingungslose Hingabe an sportlichen Erfolg.
Trotz dieser Erfolge wurde Ris' ursprünglich bis 2027 laufender Vertrag bereits Anfang 2023 vorzeitig beendet. Offizielle Begründungen bleiben vage; es gibt Andeutungen von Führungsproblemen und angeblichen finanziellen Fehlentwicklungen in Höhe von 250.000 Euro. Bürgermeister Andreas Pfeiffer lobte zwar Ris' künstlerisches Talent, verwies aber auf die anstehenden strukturellen Reformen als entscheidenden Faktor. Ab März 2026 wollen Stadt und Landkreis Oberspreewald-Lausitz die Theaterverwaltung zentralisieren, die Intendanz mit der Leitung des Kulturamts zusammenlegen und die Haushalte straffen, um finanzielle Lücken zu schließen.
Spekulationen über die wahren Gründe – und was nun kommt
Die wahren Motive für Ris' Abberufung geben weiterhin Rätsel auf. Manche vermuten, dass seine klare Haltung gegen rechtsextreme Tendenzen in der von der AfD geprägten Region eine Rolle spielte. Andere führen seine unkonventionelle Art als möglichen Konfliktpunkt an. Stadt und Landkreis werden nun eine neue Stelle für die künstlerische Leitung ausschreiben. Ris wird unterdessen seine letzte Spielzeit gestalten und sich parallel nach neuen beruflichen Wegen umsehen.
Das Aus für Daniel Ris markiert das Ende einer Ära für die Neue Bühne Senftenberg. Sein Abschied fällt zusammen mit umfassenderen Reformen, die die Kulturverwaltung effizienter und kostengünstiger gestalten sollen. Die Suche nach einem Nachfolger wird bald beginnen – die Zukunft des Theaters hängt dabei sowohl von finanziellen Rahmenbedingungen als auch von den politischen Dynamiken in der Region ab.
Ris selbst bleibt indes auf seine verbleibende Spielzeit fokussiert und bereitet sich auf den nächsten Schritt in seiner Karriere vor.






